Seit 100 Tagen gibt es in Bayern Ankerzentren, die die Erfassung und gegebenenfalls Rückführung von Flüchtlingen erleichtern sollten. Kritiker sagen: Das hat nicht funktioniert.

Seit 100 Tagen gibt es in Bayern sieben sogenannte Ankerzentren. Die Aufnahme, Verteilung oder Abschiebung der Geflüchteten würde durch sie erschwert und verlangsamt, sagen Kritiker.

Die Bezeichnung Ankerzentrum steht für ANK-unft, E-ntscheidung und R-ückführung. Die Ankerzentren sind durch die Umbenennung von Erstaufnahme und Abschiebungseinrichtungen entstanden, die sich zuvor an demselben Ort befunden haben. Insgesamt gibt es sieben davon in Bayern - in jedem Regierungsbezirk eines. 

Mehrere Institutionen unter einem Dach

Das Besondere an den Ankerzentren ist, dass sich unter ihrem Dach auch Einrichtungen der Agentur für Arbeit und des Jugendamtes befinden können.

Der Plan: Geflüchtete, die hier ankommen, können ihren Asylantrag direkt im jeweiligen Ankerzentrum stellen. Damit wollte die CSU schnellere Entscheidungen, das heißt eine zügigere Umverteilung der Geflüchteten auf die Kommunen oder die Abschiebung, erreichen. Kritiker denken nicht, dass das Konzept aufgegangen ist. Ihrer Meinung nach bringen Ankerzentren mehr Probleme mit sich, als sie lösen. 

"Es ist ganz logisch: Wo eine Masse von Menschen kaserniert oder eingesperrt wird, dass das Aggressionen mit sich bringt. Dass Nichtigkeiten ein Ventil suchen in Aggressionen - das befördern Massenunterkünfte."
Oliver Malchow, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei

Die Geflüchteten stehen aus mehreren Gründen unter großem psychischen Stress, beschreibt ein Geflüchteter aus Ghana unserem Reporter Tobias Krone. Durch die drohende Abschiebung kommt es beispielsweise dazu, dass Menschen anfangen Selbstgespräche führen, sagt der ghanaische Flüchtling. 

"Ein Jahr kriege ich das schon mit. Es macht die Leute einfach verrückt. Du siehst jemanden, der mit jemandem redet, - denkst du zuerst - aber dann nach 30 Minuten merkst du, er redet mit sich selbst."
Geflüchteter aus Ghana, der in einem Ankerzentrum lebt

Zudem führt die Massenunterbringung - in Bamberg leben mehr als 1400 Menschen in einem Ankerzentrum - zu bekannten Problemen, wie fehlender Privatsphäre, Sicherheits- und Gewaltproblemen. 

Fehlende Integration mit der Bevölkerung

Je nachdem, in welcher Stadt sich ein Ankerzentrum befindet, ist der Austausch mit der Bevölkerung und die Akzeptanz durch die Menschen, die in der Nähe leben, unterschiedlich sagt Tobias Krone. In Städten wie Bamberg gebe es Studenteninitiativen und zivilgesellschaftliche Institutionen, die sich für die Integration der Geflüchteten einsetzen würden. In anderen Städten wie Deggendorf sei das Misstrauen gegenüber den Geflüchteten sehr groß.

Das Fazit, das unser Reporter Tobias Krone zieht: Bisher hat sich durch die Umbenennung und das neue Konzept der Ankerzentren nicht viel für die Geflüchteten verändert.

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