Stell dir vor, Du bist unterwegs. Städtetrip in Europa - Prag, Helsinki oder Rom - und es passiert was. Du brauchst Hilfe, kannst aber die Sprache nicht. Dafür gibt es eine Nummer: die 112. Der europäische Notruf.

In der Europäischen Union gibt es die einheitliche Notrufnummer 112 schon seit fast 25 Jahren. Sie funktioniert in allen 28 EU-Ländern. Das Problem ist aber: Kaum einer kennt sie. Benoit Vivier arbeitet bei der kleinen Nichtregierungsorganisation Eena in Brüssel und hat den Auftrag, die Nummer 112 bekannter zu machen.

"Nur sehr wenige kennen diese Nummer. In Deutschland wissen sogar nur 17 Prozent, dass es die EU-weite Notrufnummer ist."

Seit drei Jahren werden gar keine Zahlen zur Bekanntheit der 112 mehr erhoben. Fast ist es so, als würde es niemanden interessieren. Dass das nicht so ist, zeigt aber, dass die Eena, vor allem von der EU finanziert wird. Außerdem ist geplant, die Nummer auch in anderen Ländern wie Norwegen, der Schweiz, Liechtenstein, Island, Georgien und in der Türkei zu etablieren. Auch für Teile der USA und Indien gibt es Pläne.

Erfahrungen mit der 112 meist negativ

Auf unsere Frage nach persönlichen Erfahrungen mit der 112 haben sich einige DRadio-Wissen-Hörer gemeldet. Anke hatte es mal in Polen mit der 112 probiert. Leider verstand sie niemand - und dabei hatte sie es mit Deutsch, Englisch und sogar Latein probiert. Und Wolfram war voriges Jahr in Prag unterwegs - da hat er erst gar keinen erreicht.

"112 angewählt, da ist erstmal gar nichts passiert. Kein Piep, gar nichts. Wir sind dann zumindest auf eine sechsstellige Nummer gestoßen."
DRadio-Wissen-Hörer Wolfram über seine Erfahrungen mit der 112 Notrufnummer

Die Idee der 112 - eine einheitliche Notrufnummer, die überall funktioniert - ist so simpel wie gut. Deshalb ist sich Benoit Vivier auch sicher, dass an ihr festgehalten wird. Eigentlich sollte auch immer jemand an der Strippe sein, der zumindest Englisch kann, so sagt er. Aber so sei das nun mal mit der EU. Da läuft nicht alles rund.