Die Entstehung der Seidenstraße zog sich über mehrere Jahrhunderte hinweg. Zwischen China und Europa entwickelte sich eine Handelsroute, auf der unter anderem Seide, Pelze, Gewürze, Porzellan, Glaswaren und Gold transportiert wurden.
Es war ein gigantisches Projekt, das im 5. Jahrhundert vor Christus vom persischen König Dareios I. begonnen wurde: Ein Straßensystem, das sich über 2.700 Kilometer von Susa oberhalb des Persischen Golfs bis nach Ephesus an der kleinasiatischen Küste der Ägäis erstreckte. Diese Straßen und Wege wurden später Teil der Seidenstraße, die eine durchgehende Handelsverbindung zwischen China im Osten und Europa im Westen war.
Eine richtige "Eröffnung" der Seidenstraße gab es nicht, sie wurde sukzessive immer weiter ausgebaut. Im 1. Jahrhundert nach Christus führten die verschiedenen Routen über Samarkand in Zentralasien und das Partherreich im heutigen Iran und Irak bis an die Häfen der Mittelmeerküste an der Levante, zum Beispiel Antiochia in der heutigen Türkei. Später kamen noch Seewege über den Indischen Ozean, den Golf von Persien, das Rote Meer oder das Mittelmeer hinzu.
Kulturaustausch zwischen Orient und Okzident
Das ganze war ein weitverzweigtes Wegenetz, so dass man eigentlich im Plural von den Seidenstraßen sprechen müsste. Anfangs wurde vor allem Seide aus China Richtung Westen transportiert – das erklärt dann auch den Namen der Handelsroute, den der Geograph und Forschungsreisende Ferdinand Freiherr von Richthofen Ende des 19. Jahrhunderts prägte.
"Durch den Warentransport fühlten sich natürlich auch Diebesbanden angezogen. Und um diesem Problem Herr zu werden, gab es regelrechte Patrouillen, die die Karawanen begleiteten oder auch beschützten."
Aber es blieb nicht bei Seide: Bald kamen Pelze, Porzellan und Gewürze hinzu, die in Europa ihren Absatzmarkt fanden, während umgekehrt Glaswaren und Gold die Reise nach Asien antraten. Gleichzeitig waren Heilsprediger, Philosophen, buddhistische Mönche und christliche Missionare auf der Seidenstraße unterwegs – das sorgte für einen regen Kulturaustausch zwischen Orient und Okzident.
Die neue Seidenstraße
Im 21. Jahrhundert legte die chinesische Staatsführung das Projekt Seidenstraße wieder neu auf. Bis weit in die Europäische Union hinein führen die neuen Handelswege – und lösen unterschiedliche Reaktionen aus.
Die einen befürworten den regen Handel, der über die neue Seidenstraße abgewickelt wird. Andere warnen vor einer zu starken Abhängigkeit von China. Viele der Infrastruktur-Projekte werden mit chinesischen Krediten finanziert. Kritiker befürchten, dass China im Falle ausbleibender Rückzahlungen Zugriff auf Ressourcen oder Infrastruktur erhalten und so seinen Einfluss ausweiten könnte.
Ihr hört in Eine Stunde History:
- Der Sinologe Thomas Höllmann von der Ludwig-Maximilians-Universität München erläutert Sinn und Zweck der historischen Seidenstraße.
- Die Sinologin Mayke Wagner, Leiterin der Außenstelle Peking des Deutschen Archäologischen Instituts, beschreibt die Bedeutung der Seidenstraße und welche archäologischen Funde gemacht werden konnten.
- Der österreichische Reiseschriftsteller Bruno Baumann hat die Seidenstraße bereist und schildert einige seiner Eindrücke.
- Der ARD-Korrespondent Maximilian Seib erklärt, was hinter dem Projekt Seidenstraße im 21. Jahrhundert steckt.
- Der Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Dr. Matthias von Hellfeld blickt zurück auf die ersten Straßensysteme im persischen Großreich des 5. Jahrhunderts v. Chr.
- Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Luisa Filip begleitet eine Karawane auf dem Weg nach Samarkand.
Info: Unser Bild oben zeigt den Registan, einen zentralen Platz im historischen Zentrum von Samarkand. Die Stadt in Usbekistan liegt an der Seidenstraße.
- Deutschlandfunk Nova-Reporterin Luisa Filip begleitet eine Karawane auf dem Weg nach Samarkand.
- Der Sinologe Thomas Höllmann von der Ludwig-Maximilians-Universität München erläutert Sinn und Zweck der historischen Seidenstraße.
- Die Sinologin Mayke Wagner, Leiterin der Außenstelle Peking des Deutschen Archäologischen Instituts, beschreibt die Bedeutung der Seidenstraße und welche archäologischen Funde gemacht werden konnten.
- Der österreichische Reiseschriftsteller Bruno Baumann hat die Seidenstraße bereist und schildert einige seiner Eindrücke.
- Der ARD-Korrespondent Maximilian Seib erklärt, was hinter dem Projekt Seidenstraße im 21. Jahrhundert steckt.
