In vielen Kulturen ist Karneval oder Fasching ein elementarer Bestandteil des Brauchtums. Vielerorts dient das Fest dazu, den Winter zu vertreiben und die Fastenzeit einzuläuten.

Seit 5000 Jahren gibt es Bräuche, bei denen zu einer bestimmten Jahreszeit Herrscher und Volk auf einer Stufe stehen, die Untergebenen das Kommando für eine Zeit übernehmen und die Herrscher dem Treiben der Untertanen mehr oder weniger vergnügt zuschauen.

"Der Kölner Erzbischof Wilhelm von Gennep erlässt in der Mitte des 14. Jahrhunderts ein Alkoholverbot. Da war der Karneval offensichtlich aus dem Ruder gelaufen und hatte die öffentliche Ordnung lahmgelegt."
Matthias von Hellfeld, Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte

Später sind daraus Narrenfeste mit Parodien auf kirchliche Rituale geworden, bei denen beispielsweise untere Kleriker die Funktionen der höheren Geistlichkeit übernommen haben und dabei auch vor dem Papst nicht zurückgeschreckt sind.

Fastenzeit wird eingeläutet: Fleisch lebe wohl

Karneval leitet sich aus dem Lateinischen ab. Dort bedeutet "carne vale" so viel wie "Fleisch lebe wohl" – also der Beginn der christlichen Fastenzeit.

Aber diese Fastenzeit ist damals wie heute begleitet gewesen von hohem Alkoholkonsum und ausschweifenden Festen, sodass der Kurfürst und Kölner Erzbischof Wilhelm von Gennep Ausschank und Verkauf alkoholischer Getränke verboten hat.

Später kommen noch Einschränkungen von Spielen und Tänzen "an geheimen Orten" sowie ein Verbot des "Mummenschanz" hinzu. Aber die alten Rituale bleiben allen Restriktionen zum Trotz erhalten.

Kein Karneval während der Besetzung

Während der sogenannten "Franzosenzeit" mit der Besetzung des Rheinlands durch Napoleons Truppen gibt es keinen Straßenkarneval.

Erst nach dem Wiener Kongress, bei dem 1815 Teile des Rheinlands Preußen zuerkannt werden, beginnen sich die rheinischen Narren wieder mit dem öffentlichen Karneval zu beschäftigen.

Preußische Obrigkeit wacht über närrisches Treiben

Zwar wachte die preußische Obrigkeit mit Argusaugen über das närrische Treiben und versuchte den Karneval durch Verbote von Zeitungen zu kontrollieren, macht schließlich aber doch gute Miene zum bösen Spiel.

1823 wird der erste Rosenmontagszug zusammengestellt: Der Prinz heißt "Held Karneval", hat aber schon ein weißes Gewand, einen mit Hermelin besetzten Purpurmantel, eine Krone mit Pfauenschweif und ein Zepter. Später wird aus ihm "Prinz Karneval" und er bekommt 1883 Bauer und Jungfrau zur Seite – das Dreigestirn ist geboren.

Ihr hört in Eine Stunde History

  • Der Historiker und Brauchtumsexperte Werner Mezger blickt zurück auf die lange Geschichte des närrischen Treibens im Rheinland und anderswo.
  • Michael Euler-Schmidt ist Historiker und erläutert einige gesellschaftliche Hintergründe des Karnevals.
  • Der Historiker Marcus Leifeld nimmt den Karneval während der Zeit des Nationalsozialismus in den Blick.
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld beschreibt die Anfänge des Karnevals in der frühchristlichen Zeit
  • Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Kristin Mockenhaupt erinnert an den ersten Rosenmontagszug am 10. Februar 1823.
In diesem Beitrag enthaltene Kapitel:
  • Krissy Mockenhaupt über den Rosenmontagszug 1823
  • Historiker und Brauchtumsexperte Werner Mezger
  • Historiker Michael Euler-Schmidt
  • Historiker Marcus Leifeld
  • Eine Stunde History
  • Moderation:  Markus Dichmann
  • Gesprächspartner:  Matthias von Hellfeld, Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte