Durch eine Wand ein dreidimensionales Abbild des Raumes dahinter erzeugen?Der 23-jährige Physikstudent Philipp Holl hat ein Verfahren entwickelt, mit dem genau das funktioniert.

Zusammen mit seinem Professor Friedemann Reinhard hat der Physikstudent Philipp Holl eine Apparatur gebaut, mit der sich WLAN-Funkwellen visualisieren lassen. Das heißt: Sie können als eine Art Röntgengerät eingesetzt werden. Die Strahlen werden zum Beispiel von Objekten in einem anderen Raum reflektiert und zu einem Empfänger zurückgeschickt.

Dadurch lässt sich mit ihnen dank der neuen Entwicklung von Philipp Holl ein dreidimensionales Abbild eines eigentlich nicht sichtbaren Raums machen.

"Obwohl du auf der anderen Seite der Wand stehst, kannst du einen ganzen Raum scannen und daraus eine Abbildung errechnen."
Martina Schulte, Deutschlandfunk Nova

Im Prinzip ist das nichts Neues: Wissenschaftler haben es schon vor einiger Zeit hinbekommen, mithilfe von WLAN-Signalen durch die Wände zu sehen. Sie können die Bewegung von Objekten tracken oder erkennen, um was für Gegenstände es sich handelt. Sie konnten auch zweidimensionale Bilder mit Wi-Fi-Signalen erzeugen.

Neu ist die Dreidimensionalität

Dass das Ganze jetzt auch in 3D funktioniert, ist Philipp und seinem Prof zu verdanken. Sie brauchen dazu nicht mehr als ein handelsübliches WLAN und zwei Antennen: eine feststehende und eine bewegliche.

Aufbau des Laborexperiments zur WLAN-Holografie
© Friedemann Reinhard / Philipp Holl / TUM
Aufbau des Laborexperiments zur WLAN-Holografie

Die fest verbaute Antenne wird genutzt, um ein Wi-Fi-Feld aufzuzeichnen, die andere wird hin und her bewegt. So wird das gleiche Wi-Fi-Feld von verschiedenen Punkten aus erfasst. 

"Die Kombination dieser Signale erzeugt ein Hologramm von den Objekten, die sich im Raum befinden."
Martina Schulte, Deutschlandfunk Nova

Mit der Kamera, die Philipp ursprünglich für seine Bachelorarbeit entwickelt hat, lasse sich der Umriss einer Person, eines Hundes oder einer Couch bereits sehr gut erkennen – eigentlich fast aller Objekte, die größer als vier Zentimeter sind, schreibt Phillip im Fachmagazin Physical Review Letters. Er habe bisher aber nur einen Prototyp mit begrenzter Auflösung.

Prototyp mit begrenzter Auflösung

Allein mit einer Kaffeetasse hat Phillip noch Schwierigkeiten. "Wenn eine Kaffetasse auf dem Tisch steht, kann man sehen, dass da was steht, aber man kann interessanterweise die Form nicht erkennen, so Philipp gegenüber dem Business Insider.

"Philipp will mit seinem Gerät vor allem Menschenleben retten."
Martina Schulte, Deutschlandfunk Nova

Man könnte die Technologie bei der Suche nach Lawinen- und Erdbebenopfern verwenden. Andere Anwendungsbeispiele sind 3D-Scans von Gebäuden, etwa von Fabriken und Lagerhallen. 

Klar ist allerdings, dass so ein Gerät auch zum Rumschnüffeln eingesetzt werden könnte.