Manches kreative Internetphänomen hatte auf 4chan seinen Ursprung. Gleichzeitig ist es eine Spielwiese für Leute, die anonym ihre Perversität zur Schau stellen und dafür auch noch virtuell beklatscht werden. 

Die Website läuft an Brutalität und verstörenden Inhalten nur so über. Der Mörder Marcel H. aus Herne war auf 4chan.org unterwegs. Die Fotos seiner Opfer haben andere abgefeiert. Ein anderer Nutzer soll die Koordinaten des Anschlags in London dort gepostet haben. Verschlüsselt, als Morsecode.

Anarchie, Provokation und Hass ohne Zensur

Das, was da bei 4chan an der Tagesordnung ist, empfindet Gerald Himmelein als ein ziemlich zweischneidiges Schwert. Einerseits seien viele 4chan-User Anarchos und Kreative, anderseits "fühlen sich ziemlich fragwürdige Personen angezogen", so der Internetexperte.

"Ich hab auf dieser Seite Sachen gesehen, die ich sehr gerne nicht gesehen hätte. Und die ich seitdem gerne wieder vergessen würde."

Im Wesentlichen geht es um Provokation. Es werden Bilder, Dateien und Meinungen gepostet, von denen die Nutzer wissen, dass sich andere total drüber aufregen werden. Egal, ob sie überhaupt der eigenen Meinung entsprechen, erklärt Gerald Himmelein. Eine Anmeldung ist auf 4chan nicht nötig und die Seite ist anonym.

"Viele User sind schlau genug, sich über Proxys mit 4chan zu verbinden. So sind sie nicht so leicht auffindbar."

4chan ist letztendlich ein Pool mit fragwürdigen Inhalten, der aber nicht im Untergrund liegt, sondern direkt im Web. Da können auch Strafverfolgungsbehörden einfach mitlesen.

Gerald Himmelein ist sich sicher: "Es ist nicht im Interesse der Seitenbetreiber, dass Fotos von Mordopfern eingestellt werden." Trotzdem ließen sich solche Fälle nicht wirklich verhindern, sagt er. "Dazu müssten sie ein massives Filtersystem einrichten. Wenn 4chan bislang versucht hat zu filtern, waren die User immer kreativ genug, die Filter zu umgehen.