Ob nun die Existenz des Virus selbst oder die möglichen Gefahren einer Impfung: Die Pandemie hat für ordentlich Konfliktpotential gesorgt. Das sehen wir nicht nur in der Politik, sondern oft auch im eigenen Freundes- und Familienkreis. Romina Stawowy erzählt von einer Freundschaft, die daran sogar zerbrochen ist.

15 Jahre waren sie Bekannte, drei Jahre lang Freundinnen, und durch die Pandemie war es vorbei: Romina hat eine Freundin wegen unterschiedlicher Ansichten über Corona verloren. Gut ein Jahr ist es her, dass ihre Freundin sie auf allen Kanälen blockiert hat. Seitdem ist Funkstille.

Portrait von Romina Stawowy
© Andre Forner
Romina hat sich mit einer Freundin aufgrund von Corona überworfen.

Es fing harmlos an: Beide Frauen konnten aufgrund der Pandemie ihre Jobs nicht mehr ausführen und tauschten sich darüber aus. Dann schickte Rominas Freundin ihr Videos und Links, die die Wirksamkeit von Impfungen generell in Frage stellen. Romina weist sie auf die rechtsextremen Quellen der Seiten hin - doch die Kritik stößt auf taube Ohren.

Romina sagt ihre Meinung - und wird blockiert

Doch Romina gibt nicht auf. Sie kommentiert die Postings ihrer Freundin und erklärt Quellen oder Behauptungen für unseriös. Beide Freundinnen beharren auf ihren jeweiligen Meinungen – bis zum Kontaktabbruch.

Feindschaften spalten Gruppen schnell in zwei Lager

Es ist nicht ungewöhnlich, dass ein so einschneidendes Thema auch zu persönlichen Brüchen führt. Soziologe Janosch Schobin erklärt, dass das sowohl in kleinen als auch in großen Gruppen der Fall ist. Dieses Phänomen wurde in Schulklassen untersucht: Gibt es eine Feindschaft zwischen zwei Menschen, führt das schließlich zum Zerfall der ganzen Klasse in zwei Lager.

"Corona ist mittlerweile so ein Freund-Feind-Thema geworden. Das jeweils andere Lager wird als "falsch" und "böse" wahrgenommen. In Freundschaften führt das zu der Frage: Bist du für oder gegen mich?"
Janosch Schobin, Soziologe

Der Soziologe verrät auch, wie wir in einer solchen Situation auf die Freundin zugehen könnten. Wichtig sei vor allem, Inhalte und nicht die Freundschaft in Frage zu stellen. Er sagt auch: Wir sollten nicht unterschätzen in was für einer mächtigen Position wir als Freunde sind, um auf den jeweils anderen einzuwirken. Freunde orientieren sich sehr stark aneinander.

Sein Tipp: Statt auf Social Media zurück zu wüten lieber das Gespräch suchen, und zu verstehen versuchen, wo der/die andere steht. Trotzdem gilt es auch, dem Gegenüber mitzuteilen, dass man selbst eine andere Meinung hat.

Wie es Romina mit dem Bruch geht und wie wir Freundschaften in solchen Situationen vielleicht doch noch retten können, hört ihr in der Ab 21.

""Mit so jemanden wie dir, will ich nichts zu tun haben" ist keine hilfreiche Kommunikation. Besser wäre: "Wir sind lange befreundet, aber das, was du da gerade sagst, das checke ich wirklich nicht.""
Janosch Schobin, Soziologe

Mehr zum Thema:

Wissenswert:

  • Die Pandemie stellt auch Paarbeziehungen auf die Probe. Dabei haben sich weniger die Themen der Konflikte geändert, als vielmehr der Grad an Emotionalität. Das liegt vor allem daran, dass die Beziehung in der Pandemie mehr Zeit einnehmen kann als vorher.
  • Es ist nicht ungewöhnlich, dass Freundschaften auch mal enden. Laut einer Studie der Universität Utrecht, geht sogar jede zweite Freundschaft in unserem Leben nach etwa sieben Jahren zu Ende.
  • Debatten über Impfungen und Impfpflichten gab es übrigens schon seit der ersten Pockenimpfung. 1874 führte Otto Bismarck eine flächendeckende Impfpflicht ein und sogleich entstand eine Bewegung, die sich dagegen wehrte. Sie sammelte sich vor allem um die Zeitschrift "Der Impfgegner".

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