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Alle Bürgerinnen und Bürger sollen einen Gutschein über 500 Euro erhalten – damit sie das Geld ausgeben und so den Einzelhandel unterstützen. So schlägt es immerhin der Einzelhandelsverband vor. Diese 40 Milliarden Euro entsprächen nämlich den Einbußen, die der Einzelhandel durch den Lockdown erlitten habe. Doch ob am Ende dieses Geld wirklich da ankommt, wo es hinsoll, lässt sich schwer regulieren.

Geld für alle, um die Wirtschaft anzukurbeln: In den USA hat es während der Pandemie schon zweimal solche Zahlungen für die Bürgerinnen und Bürger gegeben – im Wert von 1.200 Dollar und von 1.400 Dollar. Die sogenannten "Stimulus Checks" sollen dafür sorgen, dass trotz Pandemie konsumiert wird. Nun werden ähnliche Forderungen auch in Deutschland laut.

Umsetzung wäre einfach

Nach dem Vorschlag des Einzelhandelsverbands HDI soll die Höhe der Konsumgutscheine 500 Euro betragen. Die Umsetzung wäre jedenfalls nicht das Problem, meint VWL-Professorin Dominika Langenmayr. Schließlich müssten keine Ansprüche geprüft werden: Jede und jeder erhält die gleiche Summe.

Mehrgleisig organisieren

In den USA wurde das Geld einfach als Check per Post versandt. In Deutschland wäre das unüblich. Hierzulande ließe sich das eher über die Finanzämter oder die Arbeitgeber organisieren, meint die Expertin. Gerade in einer mehrgleisigen Organisation könne man das gut bewältigen.

"Was sich nicht so einfach regeln lässt: wofür der Gutschein am Ende tatsächlich ausgegeben wird."
Dominika Langenmayr, VWL-Professorin an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt

Was sich allerdings weniger gut regulieren lässt: wofür das Geld am Ende tatsächlich ausgegeben wird. Denn man kann nicht einfach rechtlich festlegen, dass das Geld nur für den stationären Einzelhandel ausgegeben werden soll. Damit müssten wir leben, meint die Expertin. Viele werden das Geld gar nicht ausgeben – sondern lieber beiseite legen.

Gezielte Programme funktionierten

Sollte die Handelshilfe in Form der Gutscheine kommen, wäre das neu für Deutschland. Was es allerdings schon gab, waren gezielte Prämien, etwa die Abwrackprämie und aktuell in der Pandemie der Kinderbonus. Das Ergebnis des Kinderbonus: Tatsächlich hat dadurch mehr Konsum stattgefunden als durch die allgemeine Mehrwertsteuersenkung, die ebenfalls als Konsequenz der Pandemie beschlossen wurde.

"Sobald die Geschäfte wieder öffnen, dürfte ist es konjunkturtechnisch gesehen für die Gutscheine fast schon zu spät."
Dominika Langenmayr, VWL-Professorin an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt

Der Vorschlag sieht vor, das Geld auszuzahlen, sobald der Einzelhandel wieder öffnen darf. Das Problem: Das macht aus Pandemiesicht zwar Sinn, doch um die Wirtschaft zu beleben, ist es dann eher zu spät, meint Dominika Langenmayr. Gerade weil viele Menschen derzeit Käufe aufgeschoben haben, für die sie lieber ins Geschäft gehen wollen – die würden sie so oder so dann tätigen.