Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman will eine komplette Stadt neu bauen. 500 Milliarden Dollar soll "Neom" kosten. Die Stadt soll ihr eigenes Rechtssystem bekommen und sich über ein Gebiet erstrecken, das so groß ist wie Mecklenburg-Vorpommern.

"Neom" - so nennt Mohammed bin Salman die futuristische Stadt, die er für die gigantische Summe von 500 Milliarden Dollar am Roten Meer bauen lassen will. 

Die Abhängigkeit vom Öl beenden

Bis 2025 soll die erste Stufe des Projekts fertig sein. Neom soll sich auf einer Fläche von 26.500 Quadratkilometern über ganze drei Länder erstrecken: Saudi Arabien, Ägypten und Jordanien.

"Neom soll ein Knotenpunkt für Handel, Innovation und Wissen werden. Es soll geforscht werden, zum Beispiel im Bereich Energie oder Biotechnik, ganz viel soll automatisiert und mit Robotern ablaufen."
Rahel Klein, Deutschlandfunk Nova

Neom soll ein Ort für Investoren werden, aber auch Besucher anlocken - mit Freizeitparks und einer top Ausstattung und Versorgung im Bereich Bildung und Gesundheit. Neom ist Teil der "Vision 2023". Die soll Saudi-Arabien modernisieren, Jobs schaffen und die Abhängigkeit vom Öl beenden, sagt Rahel Klein. 

Ein Ort für die Elite

Das Leben in Neom wird sich jedoch nicht jeder leisten können. "Es soll ja darum gehen, ein High-End-Produkt herzustellen, wo die Elite der Elite ansässig ist, wo Wissen produziert wird. Vielleicht so eine Art saudisches Silicon Valley", sagt Sebastian Sons von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik.

"Es ist kein Sozialhilfeprojekt, sondern es geht darum, für die ganze Welt attraktiv zu werden, für ausländische Investoren und für die Elite des eigenen Landes. Und es wird sehr kostspielig, da zu wohnen."
Sebastian Sons, Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik

Die Stadt soll ein eigenes Rechtssystem bekommen und eine unabhängige Wirtschaftszone werden, mit eigenen Gesetzen und Steuern. Es sei gut möglich, so Sebastian Sons, dass es in Neom viel offener zugehen wird als im Rest des Landes. Andernfalls wird es schwer, vor allem westliche Investoren anzulocken. Und die Saudis brauchen das Geld aus dem Ausland, dafür gehen sie auch ungewohnte Wege, sagt Sons. Nicht weil sie plötzlich so pro westlich sind, sondern:

"Es gibt für Saudi-Arabien eigentlich keine andere Option mehr, als sich tatsächlich auch anders aufzustellen, den Tourismus zu fördern, auch andere Wirtschaftsbereiche zu fördern, um endlich die vermaledeite Abhängigkeit vom Erdöl loszuwerden."
Sebastian Sons, Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik

Zuletzt hatte Kronprinz Mohammed bin Salman das Fahrverbot für Frauen aufgehoben und damit sein Land gesellschaftlich ein Stück geöffnet. 

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Eine Liberalisierung sieht Sebastian Sons vor allem in der Wirtschaft. Dass Neom Saudi-Arabien insgesamt gesellschaftlich pluralistischer macht oder sogar demokratisiert, bezweifelt er. Der Kronprinz sei auf die Unterstützung der konservativen Kräfte im Land angewiesen und darf diese nicht verprellen.