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Adidas, Bayer, Telekom, SAP und andere große Unternehmen appellieren an die künftige Bundesregierung, mehr Tempo beim Klimaschutz zu machen. Dabei geht es ihnen auch um Planungssicherheit.

69 Unternehmen aus Deutschland fordern die derzeit sondierenden Parteien zu mehr Verlässlichkeit und Tempo beim Klimaschutz auf. Teilweise lesen sich ihre Forderungen wie das Wahlprogramm der Grünen:

Die Unternehmen aus verschiedenen Bereichen der Wirtschaft fordern, dass öffentliche Finanzmittel "verstärkt genutzt werden, um privates Kapital für Investitionen in klimaneutrale Zukunftstechnologien zu mobilisieren". So ähnlich formulieren es die Grünen, die vorschlagen, private Investitionen durch öffentliche abzusichern – weshalb auch wieder mehr Schulden gemacht werden müssten.

Selbst beim Ausstieg aus der Braunkohle übernehmen die Unternehmen eine grüne Forderung: Er müsse "deutlich vor 2038" erfolgen.

Wissen wollen, wo die Energie herkommt

Laut Georg Ehring aus der Deutschlandfunk-Umweltredaktion wollen die Unternehmen mit ihrem Appell in erster Linie Verbindlichkeit und Planbarkeit, zum Beispiel bei der Frage, wann wie viel Energie aus welcher Quelle stammt. Stünde zum Beispiel jetzt schon fest, dass der Hauptenergieträger im Jahr 2030 Strom aus Wind und Sonne und nicht mehr Erdöl und Erdgas ist, könnten Unternehmen jetzt beginnen, sich darauf einzustellen – zum Beispiel, in dem sie entsprechende neue Maschinen und Anlagen bestellen, die anders funktionieren als die heutigen.

Anderes Beispiel: Wenn bald feststünde, wann wie stark der CO2-Preis steigen wird, könnten die Unternehmen das in ihrer Finanzplanung berücksichtigen.

"Derzeit hagelt es Appelle an die neue Bundesregierung für mehr Klimaschutz."
Georg Ehring, Deutschlandfunk-Umweltredaktion

Die Motivation der Unternehmen, sich für mehr Klimaschutz zu engagieren, ist uneindeutig. Manche werden der Auffassung sein, dass es eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, um den Planeten zu retten. Andere handeln vermutlich eher aus betriebswirtschaftlichem Kalkül, vermutet Georg Ehring.

Man könnte es aber auch anders formulieren: Egal, ob ein Unternehmen von der Notwendigkeit des Klimaschutzes überzeugt ist oder nicht – die meisten wissen, dass die Dekarbonisierung der Wirtschaft so oder so kommt. Und wenn sie kommt, dann bitte möglichst verbindlich, planbar und allgemeingültig. "Klimaschutz passiert ja nicht deshalb, weil die Gutwilligen ihn freiwillig umsetzen", sagt Georg Ehring, "sondern dann, wenn er wirtschaftlich sinnvoll ist".

Selbst Aida unterzeichnet

Auch das Unternehmen, das die Kreuzfahrtmarke Aida betreibt, hat den Appell unterzeichnet. Dabei könnten die Klimaschutzmaßnahmen das Unternehmen schwer treffen, wenn es irgendwann Alternativen zu Kreuzfahrtschiffen finden muss, die zurzeit noch mit Schweröl oder anderen fossilen Treibstoffen unterwegs sind.

Doch auch hier ist die Motivationslage ziemlich eindeutig: Die neuen Klimaschutzregeln sollen verbindlich für alle gelten. Und je früher ein Touristik-Unternehmen Bescheid weiß, desto mehr Zeit hat es zum Beispiel, neue klimafreundlichere Schiffe anzuschaffen.