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"Audrey und Ariane" ist eine Vampir-Novelle von Jan Fischer: Die Geschichte von einem namenlosen Typen, der nach dem Abi nach Paris geht, dort als Souvenirverkäufer im Disneyland jobbt - und Audrey verfällt.

Ein Freizeitpark, der komplett stillsteht - von einem auf den anderen Tag. Wenn die Riesenradgondeln im Wind vor sich hinschaukeln, vielleicht quietscht es ein bisschen, ansonsten Stille. So gruselig dürfte es im Disneyland derzeit aussehen. Und genau dort spielt die Geschichte von Audrey und Ariane.

Kilometerlange Lagergänge, in denen verstaubte Stofftiere gestapelt und vergessen wurden. Manchmal flackert irgendwo eine Neonröhre. Manchmal dringt Tageslicht zu ihnen ins Dunkel, vielleicht durch ein Loch in der Wand. Meistens aber ist es stockfinster. Audrey – noch immer im Mickey Maus-Kostüm – bewegt sich schnell.

"Sie trinkt Bier und sieht müde aus. Er setzt sich neben sie. Warum nicht? Er spürt sofort, dass das ein Fehler war."
Lydia Herms, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

"Jetzt könnte ich noch umkehren", hat er am Anfang dieses Trips kurz mal gedacht. Raus hier und das elende Kostüm ausziehen, den Park verlassen und alles vergessen. Aber er hat es nicht geschafft. Audreys Sog ist zu stark. Außerdem ist er selbst viel zu schwach. Sein ganzer Körper ist von Kratz- und Bisswunden übersät, er blutet überall und sein Atem geht schwer.

"Ariane verkauft Zuckerwatte. Sie trägt ein Dirndl und das gleiche künstliche Dauerlächeln wie alle Cast-Members im Disneyland. Sie und der Souvenirverkäufer haben was am Laufen. Nichts Festes."
Lydia Herms, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Sie braucht keine Taschenlampe, um in der Finsternis die versteckten Knöpfe zu finden, mit denen sich Türen öffnen lassen. Und sie kennt den Weg. Der Souvenirverkäufer hat die Orientierung längst verloren. Er folgt Audrey blind.

Abitur in der Tasche und keinen Plan, wie es weitergeht

Diese Szene stammt aus der Vampir-Novelle "Audrey und Ariane" von Jan Fischer, erzählt aus der Perspektive eines namenlosen Mannes, der sich an die Zeit nach seinem Abitur erinnert. Er war damals neunzehn und hatte keinen Plan, wie es nun weitergeht. Also packte er einen Rucksack, fuhr nach Paris und wurde Souvenirverkäufer im Disneyland.

Der Autor

Jan Fischer, Jahrgang 1983, ist zwischen Bremen und Toulouse aufgewachsen. 2003 bis 2010 studierte er Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim. Die Novelle "Audrey und Ariane" ist 2016 bei mikrotext erschienen. Er ist Gründer und Chefredakteur von zebrabutter.net. Zurzeit arbeitet Jan Fischer hauptsächlich als freier Autor und Journalist. Außerdem ist er international bekannter Luftgitarrist.

"Audrey und Ariane", digital erschienen bei mikrotext, circa 60 Seiten (auf dem Tablet), circa 200 Seiten auf dem Smartphone, nur als E-Book (epub, mobi, pdf): 2,99 Euro, ET: 31.10.2016.