Die Volksrepublik China feiert 70 Jahre. Mit einer Militärparade in Peking zeigt der Staat seine Macht. Aber in Hongkong ist keine Party-Stimmung. Die Demonstrationen gehen weiter. Und auch, wenn manche mittlerweile erschöpft sind, genießt der Protest starken Rückhalt in der Bevölkerung, so Alfred Schmidt, unser Korrespondent in Hongkong.

In Hongkong wird es heute (1. Oktober) wieder zu Demonstrationen kommen. Auch, wenn ein Protestmarsch, der zu den Regierungsgebäuden führen sollte, verboten wurde. Die Demonstration wurde untersagt, denn es sei mit Gewalt zu rechnen. Am Wochenende war es nach friedlichen Protesten zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen, so unser Korrespondent Alfred Schmidt.

Sicherlich will Peking während der Festlichkeiten zu 70 Jahren Volksrepublik aber auch Bilder demonstrierender Hongkonger vermeiden. Denn der Staat will sich feiern und Protest stört da.

Militärparade in China, Soldaten stehen in einer Reihe (01.10.2019); Foto: dpa
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In Peking lief alles wie am Schnürchen. Mit einer Militärparade feierte der Staat die Gründung der Volksrepublik China 1949.

Aber Hongkong kommt nicht zur Ruhe. Seit Juni wird immer wieder demonstriert. Die Proteste hatten sich an einem umstrittenen Gesetz für Auslieferungen an China entzündet. Das Gesetz wurde zurückgenommen.

Bei den Massenprotesten fordern die Menschen den Erhalt der Pressefreiheit und der freien Meinungsäußerung. Beides ist in China ein Tabu, nicht aber in Hongkong. Bislang. Auch fordern die Menschen freie Wahlen. Ebenso, dass verhaftete Demonstranten frei kommen.

Anhaltende Proteste nerven auch manche

Die anhaltenden Proteste legen Hongkong immer wieder lahm. Teile der Innenstadt sind dann gesperrt, U-Bahnen fallen aus, Zufahrten zum Flughafen sind versperrt, kurzfristig fiel der Flugverkehr aus. Manche Hongkonger nervt das. Vor allem sind Unternehmen - nationale und internationale - von den Massenprotesten angestrengt.

Viele wehren sich auch gegen den Vandalismus, der mit den Protesten teils einhergeht. "Man sieht schon viele demolierte U-Bahnhöfe und angezündete Straßensperren", sagt Alfred Schmidt.

"Es gibt etliche, die vom Dauerprotest erschöpft sind. "
Alfred Schmidt, ARD-Korrespondent Hongkong

Viele tragen zwar die Randale nicht mit, aber sehr wohl die politischen Anliegen. Die Proteste und die Forderungen finden Unterstützung in der Bevölkerung. Der Großteil der Menschen sieht sich als Hongkonger und diese Identität wollen sie bewahren.

"Aber unterm Strich muss man sagen: Es ist beachtlich, wie nach so langer Zeit diese Demokratiebewegung noch starken, starken Rückhalt in der Bevölkerung aufs Ganze gesehen doch immer noch genießt."
Alfred Schmidt, ARD-Korrespondent Hongkong

Aber auch in Hongkong gibt es Menschen, die 70 Jahre Volksrepublik feiern. "Viele schwenken das Fähnchen von Peking. Buchstäblich", sagt Alfred Schmidt. Sie bewerten die wirtschaftliche Entwicklung Chinas als Erfolgsgeschichte und genießen einfach den Wohlstand. "Aber nach meinem Gefühl sind diese Menschen in Hongkong eher in der Minderheit", sagt Alfred Schmidt.

Aber wie es weitergehen kann, ist unklar. Ein Runder Tisch zum Beispiel, um die verschiedenen gesellschaftlichen Interessen auszubalancieren, könnte den Protest kanalisieren, so Alfred Schmidt. "Aber davon ist im Moment nichts zu sehen. Es ist eine festgefahrene Situation zwischen Protestierenden und der Polizei", sagt Alfred Schmidt.