Vor genau einem Jahr gewann Donald Trump die Wahl zum US-Präsidenten gegen seine Konkurrentin Hillary Clinton. Fast alle Beobachter hatten vorher sie als klare Gewinnerin vorausgesagt. Zwölf Monate nach dem historischen Wahlabend ziehen wir Bilanz. Mit dem Deutsch-Amerikaner John Grosser, der sich im Wahlkampf von  Deutschland aus für Hillary Clinton stark gemacht hat.

So viel steht fest: Die Welt ist noch nicht untergegangen. Auf seiner Asienreise schlägt Trump momentan sogar einigermaßen moderate Töne an. Auch der amerikanischen Wirtschaft geht es gut. Trotzdem ist die Art und Weise, wie und welche Politik Donald Trump macht, für viele nur schwer auszuhalten. 

"Was mir wirklich Hoffnung macht: Donald Trump hat schreckliche Ideen, ist aber größtenteils zu inkompetent, sie umzusetzen."
Porträt von einem lachenden Mann, John Grosser
© John Grosser
John Grosser

Der Deutsch-Amerikaner John Grosser ist aufgewachsen in Nordrhein-Westfalen und hat sich im Wahlkampf von hier aus für Hillary Clinton stark gemacht. Wenig verwunderlich also, dass er mit der Wahl Trumps gar nicht zufrieden war. 

"Mir als Amerikaner geht es nicht so gut. Ich bin immer noch ein bisschen geschockt, dass das vor einem Jahr passiert ist. Und es ist immer wieder peinlich, wenn Trump irgendwas abzieht."
John Grosser von den "Democrats Abroad Germany"

Als Demokrat gehe es ihm aber sehr viel besser. In den USA waren nämlich am 7. November 2017, also genau ein Jahr nach der Präsidentschaftswahl, Gouverneurs- und Bürgermeisterwahlen. Und bei denen hätten die Demokraten "erstaunlich gut abgeschnitten", was ein gutes Zeichen für 2018 sei.

Trump und Charlottesville

Was ihn am meisten geärgert und frustriert habe im vergangenen Jahr, sei Trumps Verhalten nach den Vorfällen von Charlottesville gewesen, sagt Grosser.

"Er hat mehrere Tage gebraucht, um anständig zu reagieren. Und dann hat er gesagt: Unter diesen Rassisten und Nationalsozialisten seien bestimmt auch viele gute Menschen."
John Grosser von den "Democrats Abroad Germany"

Im Fall von Charlottesville habe Trump gesagt, er wolle erst alle Fakten haben, um zu reagieren. Er habe sich also Zeit gelassen. 

"Als aber ein Anschlag von einem Muslim durchgeführt wurde, hat er sofort per Twitter reagiert und wollte ein Visumsprogramm einstellen."
John Grosser von den "Democrats Abroad Germany"

Bei den rechtsradikalen Tätern von Charlottesville habe es Trump langsam angehen lassen. Dort habe er davon gesprochen, dass das "vielleicht kein Terrorismus" sei. Wenn jemand  mit dem Auto in eine  Menschenmenge fährt, dann sei das nur ein "normaler Mord".

"Diese Doppelzüngigkeit und das Pandering (Nachsicht, Anm. d. Red.) zu seiner rechtsradikalen Basis… ich mache mir Sorgen, was das für das Land bedeutet."
John Grosser von den "Democrats Abroad Germany"

Fast die Hälfte der amerikanischen Wähler hat Trump 2016 ins Amt gewählt. Seine Gegner hatten die Hoffnung, dass er sich im Amt dann selbst entzaubert und seine Wähler ihm den Rücken kehren. Bislang ist das aber nicht passiert. 

Die Trump-Basis ist standhaft

Seine Basis – also die radikalen Trump-Fans – habe er noch nicht verloren. Dafür aber viele moderate Leute, die Trump nur gewählt hätten, weil sie Hillary nicht mochten, glaubt Grosser. 

"Amerika ist eine postfaktische Gesellschaft: Trump sagt etwas – und zwei Tage später sagt er das absolute Gegenteil. Bei seiner Basis kommt das aber gar nicht an."
John Grosser von den "Democrats Abroad Germany"

Den Trump-Anhängern würden die Widersprüche, in die sich der Präsident verstrickt, oft gar nicht vermittelt. Die meisten von ihnen würden nämlich Fox News schauen – und da werde meistens gut über Trump geredet. Alles andere werde dann schnell zu "Fake News" abgestempelt.

Die nächsten dreieinhalb Jahre Trump

Grosser hofft, dass die Demokraten – motiviert durch die jüngsten Wahlsiege – im Jahr 2020 mehr Landesparlamente kontrollieren werden als noch zurzeit. Im Jahr 2020 ziehen nämlich die Landesparlamente die Wahlkreise neu – und das würde dann die amerikanische Politik nachhaltig zugunsten der Demokraten beeinflussen.

2010 hatten nämlich die republikanisch dominierten Landesparlamente die Wahlkreise zu ihren Gunsten gezogen – deshalb seien sie momentan so einflussreich, erklärt Grosser.

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