Auf dem Indiegame-Festival "A Maze" gilt das Entwickeln von Spielen als absolute Kunst: Mit absurden und sehr persönlichen Games testen die Macher das Medium bis an die Grenzen.

Manche sind feministisch, ein paar haben politische Botschaften, andere sind einfach merkwürdig – Das Amaze-Festival stellt alternative und Independent Games vor, die oft auch sehr verspielt sind oder schräge Experimente. Deutschlandfunk-Nova-Reporter Thomas Ruscher: "Alle wollen mit dem Medium Computerspiel herumexperimentieren und Sachen machen, die es nicht schon tausendmal gegeben hat."

Die Kunst des Spieleentwickelns

Eines der Spiele, das er bei dem Festival entdeckt hat, erzählt zum Beispiel die Liebesgeschichte zwischen zwei Computerdateien. Ein anderes Game ähnelt einer Kunstinstallation: Hier müssen die Spielerin oder der Spieler echte Bücherseiten zerschreddern, um weiterzukommen. So was hat er bisher noch nie bei einem Spiel erlebt, sagt Thomas.

"Es ist eine Kunst, so etwas zu bauen. Das passiert halt nicht einfach so, man macht sich Gedanken. Manche Leute arbeiten über zwei bis vier Jahre daran, bis sie so einen Titel herausbringen."
Thorsten Wiedemann, Direktor des Indiegame-Festivals "A Maze"

Die Spieleentwicklerinnen und Spieleentwickler, die auf dem Amaze-Festival ihre Games vorstellen, verstehen sich als Künstlerinnen und Künstler. Sie wollen experimentieren, und in diesen Experimenten steckt sehr viel Arbeit, so Festivaldirektor Thorsten Wiedemann. Manche brauchen zwei bis vier Jahre zum Entwickeln eines solchen Spiels. Dabei stehe Geld nicht im Vordergrund, auch wenn viele es schön fänden, etwas damit zu verdienen.

Games als schräge Experimente

"The Longing" ist so ein Experiment. Der Entwickler Anselm Pyta hat Thomas erzählt, dass er mit dem Spiel etwas Neues ausprobieren wollte: Er hat den Zeitaspekt ins Absurde gedreht. Dafür sei das Medium Spiel prädestiniert, sagt er. In "The Longing" spielen wir einen kleinen freundlichen Gnom mit einer wichtigen Aufgabe: Er muss seinen eingeschlafenen König in einer Höhle unter der Erde bewachen und zwar 400 Tage lang. In Echtzeit. Wenn wir jetzt anfangen würden, das Spiel zu spielen, wären wir wohl irgendwann im Juli 2020 fertig.

"'The Longing' dürfte das langsamste Spiel sein, das es bisher gegeben hat."
Thomas Ruscher, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Auch "Small Talk" testet Grenzen: Das Game erzählt von den letzten Stunden, bevor die Welt untergeht. Statt die die Welt aber zu retten, unterhalten wir uns mit den anderen Figuren im Spiel – über ihre Ängste und Sorgen und was sie sonst noch so beschäftigt. Gabrielle Genevieve ist eine der drei US-amerikanischen Entwicklerinnen und Entwickler. Ihr ist bewusst, dass sie mit dem Spiel kein Millionenpublikum erreichen wird, sagt sie. Aber es solle auch nicht für jede und jeden sein. Ihr sei viel wichtiger, dass die Leute sich mehr darüber Gedanken machen, was ein Computerspiel sein kann, also mehr reflektieren.

"It’s not supposed to be for everyone. And it’s for people who seek out this kind of experience, which is very introspective. And a lot of people have a problem doing that."
Gabrielle Genevieve, Entwicklerin von "Small Talk"

Thomas hat auch einen persönlichen Favoriten bei dem "A Maze" Festival gefunden – allerdings geht dieses Spiel dann doch in die Richtung Spiel, Spaß und Spannung: Es heißt "Sticky Cats".

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"Sticky Cats" können vier Personen spielen: Jede Spielerin und jeder Spieler übernimmt Kontrolle über eine "krude und quietschbunt gezeichnete Katze". Die Katzen versuchen, einen Fisch zu erbeuten, bleiben aber überall kleben – an Deckenlampen, Kochtöpfen oder Bücherregalen. Ein heilloses Durcheinander und ein bekloppter und absurder Spaß, findet unser Reporter.