In Aachen startet der 20. Weltkongress der Telefonseelsorger. Rund 1600 Teilnehmer aus 33 Ländern wollen dort über Suizid und Vorbeugung sprechen. Auf dem Kongress wollen Seelsorger darüber beraten, wie Telefonseelsorge noch besser helfen kann, damit es nicht zum Äußersten kommt. Unser Reporter Christian Schmitt hat sich von Seelsorgern ihre Arbeit beschreiben lassen.

Begleiten

"Begleiten ist ganz wichtig bei uns. Aber nicht nur emotional. Ich muss an eine Geschichte denken, wo mich eine Frau mitten in der Nacht anrief - aus einem Aufzug. Und sagte: 'Ich bin hier im Aufzug und gerade hat mein Partner mir die Tür vor der Nase zugeschlagen und ich weiß überhaupt nicht, wie ich jetzt nach Hause komme.' Und die Verbindung war ganz schlecht und dann ging es raus aus dem Aufzug. Es war mitten in der Nacht und sie wusste nicht wohin. Und dann haben wir überlegt, zu wem könnte sie gehen. Und ich habe sie dann auch wirklich auf dem Weg begleitet, bis sie ins Taxi gestiegen ist und gesagt hat: 'So, jetzt ist es gut, ich fahre zu einer Freundin und kann mit der dann reden. Danke, dass sie mich begleitet haben.'" (Seelsorgerin)

"Das ist das, woraus ich sehr viel ziehe, wenn Gespräche gut gegangen sind und Leute am Ende sagen: 'Danke, das hat mir jetzt geholfen.' Das passiert nicht immer, aber wenn es passiert, ist es eine total schöne Motivation."
Seelsorgerin

Offene Ohren

"Manchmal brauchen die Leute einfach nur ein Ohr, wenn sie niemanden haben, mit dem sie reden können oder keinen mehr, der ihnen zuhört zuhause. Dann ist es gar nicht groß unsere Aufgabe, mit denen zu arbeiten, sondern einfach dazu sein und zu zuhören." (Seelsorger)

Seelsorgerin
"Man weiß ja nicht, wer da anruft. Wir sprechen das durch, wenn jemand anruft, der sich selbst umbringen möchte. Aber dann muss man sich wirklich nochmal sortieren, wenn da jemand anruft, der sagt: 'Ich möchte nicht mehr weiterleben.'"

Motivation

"Man wird schon mal gefragt: 'Macht das Spaß, was Du da machst?' Das ist das falsche Wort. Es ist eine sehr erfüllende Aufgabe, weil man einfach auch was zurückgeben kann." (Seelsorger)

"Es gibt jetzt nicht DEN Typ Telefonseelsorger. Aber du musst schon ein offener Mensch sein, du musst gut zuhören können, du machst das in den allermeisten Fällen ehrenamtlich, also du musst den großen Wunsch haben, zu helfen."
Christian Schmitt, Reporter auf dem Weltkongress der Seelsorger

Seit 60 Jahren gibt es die Telefonseelsorge. So lange gibt es Menschen, die am Telefon warten und mit Anrufern sprechen, die Beziehungsprobleme haben, sich gerade in ausweglos erscheinenden Situationen befinden, und die sich manchmal auch das Leben nehmen wollen. Und es ist grade das Anonyme, das es für viele Leute einfacher macht, sich Hilfe zu holen. Niemandem in die Augen schauen zu müssen. Auf dem Weltkongress in Aachen treffen sich gerade rund 1600 Seelsorger aus vielen Ländern und hören sich Vorträge an zu Themen wie "Einsamkeit" oder "Zuhören" oder nehmen an Workshops teil, die sich mit der Wirkung der Stimme beschäftigen.