Alkohol, Autofahren, Zukunftsplanung: Mit dem 18. Geburtstag sind wir plötzlich erwachsen. Ob wir uns auch wirklich so fühlen? Das ist eine andere Sache.

Wer volljährig ist darf endlich Verträge abschließen, Auto fahren, heiraten und hochprozentigen Alkohol kaufen. Mit 18 winkt uns die Illusion, wir seien nun "erwachsen" und uns läge die Welt zu Füßen. Immerhin dürfen wir erstmals Entscheidungen, unabhängig von unseren Eltern, treffen. Mit der Volljährigkeit kommt also auch ein ganzer Berg an Verantwortung auf uns zu. Aber ist der Übergang vom Jugend- ins Erwachsenenalter wirklich mit dem 18. Geburtstag besiegelt?

Während andere 18-Jährige es zum Geburtstag normalerweise richtig krachen lassen, fiel Lilys 18. in diesem Jahr mitten in die Pandemie. "Ich war mit drei Freunden Ski-Fahren und wir hatten ein kleines Apartment gemietet. Wir sind gerade noch so nach Österreich reingekommen." Als die Pisten dann schon fast leer waren, erwischten Lily und ihre Freunde quasi den letzten Zug nach Hause.

"Eigentlich war geplant, dass wir dann Après-Ski machen, aber wir haben es uns dann zu viert nett gemacht. Das war für mich auch in Ordnung."
Lily wurde während der Pandemie 18

Aufregendes Erwachsenwerden

Ihrer Volljährigkeit hat Lily aufgeregt entgegengefiebert: "Ich habe immer darauf gewartet, endlich alleine Auto fahren zu dürfen." Weil sie jetzt selbst Einkaufen fährt oder abends länger wegbleibt als früher, fühlt sich Lily ein Stück eigenständiger. "Ich kann jetzt selbst entscheiden, wann ich nach Hause kommen möchte."

Dass Lily von ihrem Umfeld ernster genommen wird, glaubt sie dennoch nicht. Weil viele ihrer Freunde noch nicht volljährig sind, fühlt sie sich selbst auch noch nicht ganz wie 18. Aber Volljährigkeit bedeutet für Lily trotzdem, endlich eigene Entscheidungen zu treffen: Ende des Jahres möchte sie Grundschullehramt studieren. "Davor habe ich ein bisschen Angst. Ich würde mir schon wünschen, dass das alles so klappt, wie ich es mir vorstelle."

Gemischte Gefühle

Ähnlich wie Lily erging es Bassit. "So richtig standesgemäß kann man sein Geburtstag zurzeit nicht feiern", sagt er uns im Gespräch. Seinen Geburtstag hat Bassit dann im kleinen Rahmen draußen gefeiert. Trotz Pandemie konnte er so seinen Tag gemeinsam mit mehreren Freunden genießen. Doch auch Bassit kann seine neu gewonnene Freiheit noch nicht ausleben. Schuld ist Corona. Während seine Führerscheinprüfung verschoben wurde, sind Auslandsreisen für ihn aktuell keine Option. Früher waren Backpacker-Trips nach dem Abi Standard oder ein Jahr in Australien. Alles nicht drin für 18-Jährige in diesem Jahr.

"Normalerweise möchte man an seinem 18. Geburtstag ja einen Sprung in die Eigenständigkeit machen. Für mich fühlt es sich eher so an, als wäre ich in den neuen Lebensabschnitt hinein gehumpelt."
Bassit möchte "Philosophy, Politics and Economics" studieren

Trotzdem fühlt sich Bassit auf das Leben gut vorbereitet. Das führt er auch auf die Pandemie zurück. Durch die Extrem-Situation mit Quarantäne und Kontaktbeschränkungen konnte er viel für's Leben lernen. "Es ist vielleicht gar nicht so schlecht, dass ich bevor ich ins Berufsleben starte, so eine Situation erlebe."

Und Corona hat bisher auch noch nicht seine Zukunftspläne beeinträchtigt: Bassit möchte den Studiengang "Philosophy Politics and Economics" studieren. Weil er politisch sehr interessiert ist, freut er sich auch, bald das erste Mal wählen zu dürfen. Trotz Pandemie, Klimawandel und einer politisch aufgeheizten Zeit, blickt er positiv in die Zukunft.

Das Erwachsensein verläuft sich

"Das Erwachsensein ist ein Prozess, der aus verschiedenen Erfahrungen und Ereignissen im Leben besteht", sagt die Sozialwissenschaftlerin Anne Berngruber. Dabei sei der 18. Geburtstag nur einer von vielen Schritten zum Erwachsensein. Die erste Partnerschaft, der Auszug aus dem Elternhaus, finanzielle Selbständigkeit, Kinderkriegen oder die Hochzeit seien weitere Abschnitte des Prozesses. Wir selbst nehmen uns dabei meistens erst mit Mitte Zwanzig als erwachsen wahr, meint die Expertin.

"Der 18. Geburtstag ist ein Ereignis, auf das man schon ein bisschen hinfiebert. Auch wenn es nur das Gefühl ist, dass sich etwas ändern müsste. Egal ob es das dann tut oder nicht."
Anne Berngruber, Sozialwissenschaftlerin

Sie glaubt, dass sich frischgebackenen 18-Jährige während der Pandemie später wenigstens gut an ihren Geburtstag erinnern werden. Denn rückblickend denken wir oft weniger an den Tag der Volljährigkeit und vielmehr an unsere damalige Lebenssituation.

Wissenswertes zur Volljährigkeit

  • Der Song "18 Till I Die" von Bryan Adams erzählt davon, dass wir bis zu unserem Lebensende 18 bleiben. Laut Adams kommt es also nicht auf das Alter an. Wichtig ist, wie alt wir uns fühlen.
  • Erst 1974 setzte der Bundestag das Volljährigkeitsalter von 21 auf 18 herab. In der DDR galten 18-Jährige auch schon zuvor als Erwachsene.
  • In manchen Staaten der Welt ist man bereits mit 16 volljährig. Dazu gehören mitunter Nepal, Usbekistan, Turkemenistan und Schottland.
  • Verantwortung bekommen wir auch in Deutschland nicht erst mit der Volljährigkeit zugestanden. So kann man schon mit 14 Jahren seine Religion selbst wählen und sogar für kriminelle Handlungen bestraft werden.
  • 2016 hatten zwei Autoren und Europa-Aktivisten vorgeschlagen, die EU könne jedem Europäer zum 18. Geburtstag ein Interrail-Ticket schenken. Im Juni 2018 konnten sich tatsächlich die ersten 15.000 EU-Bürger auf die Tickets bewerben und bis zu 30 Tage auf Entdeckungsreise zu gehen.