Was tut ihr eigentlich fürs Klima? Auf ein eigenes Auto verzichten, Second Hand kaufen, kein Fleisch mehr essen? Mit am schwierigsten ist es für viele, aufs Fliegen zu verzichten. Das ist aber einer der größten CO2-Verursacher. Wie kommen wir also ohne Flugzeug in den Sommerurlaub? Unsere Reporterin Kathrin Sielker hat das getestet und ist ohne Flugzeug nach Kreta gereist.

"Hallo, ich will ohne Flugzeug nach Kreta. Können sie mir sagen, wie ich da hinkomme? – Nee, Zielort nicht erreichbar."
Kathrin am Beginn ihrer Reise – und die Antwort des Bahnangestellten

Der Mann am Bahnschalter macht Kathrin wenig Hoffnung. Kreta? Nicht erreichbar! Aber sie gibt nicht auf. Ihr Yoga-Urlaub in Chora Sfakion beginnt in vier Tagen. Weil das Luxus ist, möchte sie aufs Fliegen verzichten – und mit ihren alternativen Verkehrsmitteln weniger CO2 verursachen als mit dem Flugzeug. Laut Online-Emissionsrechner muss sie dafür unter 503 Kilogramm bleiben. Genau so viel würde sie mit dem Flug von Köln nach Kreta nämlich verbrauchen.

Ziel: Unter 503 kg CO2 bleiben

Weder die Menschen am Bahnschalter noch die Interrail-App oder die Routenplanung von Google rechnen Kathrin die Gesamtroute aus. Sie muss also selbst aktiv werden und fährt erst mal mit der Bahn: Mit den Zwischenstationen München und Bologna geht es nach Ancona in Italien. Von dort fährt sie mit der Fähre weiter nach Patras in Griechenland. Leider riecht es auf dem Schiff überall nach Sprit, und Kathrin zweifelt erstmals, ob ihre Reise wirklich so umweltfreundlich ist.

"Der Schornstein spuckt klebrige Wolken aus. Der Emissionsrechner verrät mir: Allein die nächsten 25 Stunden auf See kosten mich 244 kg CO2."
Kathrin Sielker, Deutschlandfunk Nova

Von Patras aus muss sie mit dem Bus nach Piräus fahren. Und von da aus dann noch mal eine Fähre nach Kreta nehmen. Dort angekommen geht es wieder in den Bus und endlich ab nach Chora Sfakion. Kathrin hat es rechtzeitig geschafft – und dabei 392 Kilogramm CO2 verbraucht. Weniger als Fliegen.

Großer Aufwand, aber Ziel erreicht

Immerhin. Aber trotzdem ist das immer noch ganz schön viel, findet sie. Außerdem war die Reiseplanung sehr kompliziert und die Reise teuer – ungefähr doppelt so teuer wie mit dem Flieger. Abgesehen vom besseren Klimagewissen hat das CO2-Einsparen Kathrin aber auch vier Tage voller Abenteuer und aufregender Begegnungen mit Menschen aus ganz Europa beschert. Eine schöne Gegenleistung!

Die Rückreise hat Kathrin dann übrigens noch klimabewusster gestaltet, indem sie ausschließlich Zug gefahren ist – über Bulgarien, Rumänien und Ungarn. Sechs Tage hat das Ganze gedauert und sie dabei 245 Kilogramm Treibhausgase "gekostet".