Abhörfunktion im Smartphone

Alphonso hört mit

Gratis-Spiele, Gratis-Apps - in ihnen steckt unter Umständen ein kleines Programm des Unternehmens Alphonso. Es hört mit, wenn bei uns Werbung läuft.

Ein bisschen spooky ist es schon: Da laden wir uns eine Gratis-App aufs Handy, und die hat noch eine Zusatzfunktion im Gepäck: Eine Abhörfunktion der Firma Alphonso. Die New York Times hat schon vor einem Jahr berichtet, dass über 250 Spiele im Google Play Store mit Alphonso ausgestattet seien. Die Funktion steckt aber auch in iPhone-Spielen und -Apps.

Geheim ist das nicht, es steht in den AGBs der Programme. Doch wer liest die schon wirklich aufmerksam durch?

Smartphone-Apps: Mithören für Werbezwecke

Alphonso scannt Umgebungsgeräusche, auch wenn das Smartphone in der Hosentasche steckt oder ungenutzt auf dem Tisch liegt. Immer, wenn wir im Fernsehen oder sonst wo Werbung sehen, gibt das Programm diese Information dann weiter, und die Kunden von Alphonso wissen: Diese Werbung oder dieser Spot ist angekommen. 

"Die automatische Spracherkennung hat in den vergangenen acht Jahren extreme Fortschritte gemacht."
Reinhard Karger, Deutsches Forschungszentrum für künstliche Intelligenz

Technisch ist es durchaus möglich, dass eine Spracherkennungssoftware ganz genau zuhört und auf Schlüsselbegriffe reagiert, sagt Reinhard Karger vom Deutschen Forschungszentrum für künstliche Intelligenz in Saarbrücken.

Hört mein Smartphone mich ab?

Die große Sorge vieler Smartphone-Nutzer: Nicht genau zu wissen, ob man nicht doch abgehört wird. Ob nicht nur Werbung, sondern vielleicht auch Gespräche mitgeschnitten werden. 

Die Betreiber von Alphonso sagen, dass sie Gespräche nicht mitschneiden. Aber was ist mit Sprachassistenten wie Alexa oder Echo, die ja aufs dauerhafte Zuhören ausgelegt sind?

"Diese offenen Mikrofone sind nicht das, was wir umgangspsprachlich eine Wanze nennen."
Reinhard Karger, Deutsches Forschungszentrum für künstliche Intelligenz

Alexa schneidet Sprache nicht dauerhaft mit

Reinhard Karger sagt, dass diese offenen Mikrofone keine Wanzen seien. Denn: Sie seien zunächst nicht mit dem Netz und der Cloud verbunden, sondern nur lokal offen, dazwischen sitze ein Prozessor. Und der reagiere nur auf sogenannte Wake-Wörter - also "Alexa", "Echo", "Computer" oder ähnliches.

"Diese Industrie hat sehr viel Geld, sie hat überhaupt nicht die Notwendigkeit, Grenzen zu überschreiten."
Reinhard Karger, Deutsches Forschungszentrum für künstliche Intelligenz

Ob Facebook, Amazon oder Apple - Reinhard Karger denkt nicht, dass die Unternehmen unsere Gespräche dauerhaft mitschneiden. Denn zum einen funktionierten ihre Geschäftsmodelle auch so ganz gut. Zum anderen entstünde ein immenser Vertrauensverlust, wenn man ihnen so etwas nachweisen könnte: "Sie wissen ganz genau, dass das Vertrauen über lange Zeit vollkommen zerstört wäre, könnte jemand nachweisen, dass große Anbieter unsere privaten Gespräche mithören."

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