Einhundert Länder sagen zu, den Wald zu schützen, darunter auch Brasilien und Russland. Solche Zusagen gab es vor sieben Jahren aber schon einmal.

Auf der UN-Klimakonferenz in Glasgow haben rund einhundert Staaten beschlossen, bis zum Jahr 2030 die Abholzung zu stoppen, also die nicht nachhaltige Bewirtschaftung von Wäldern. Die beteiligten Ländern, darunter Deutschland und die gesamte Europäische Union, verfügen über 85 Prozent der weltweiten Waldfläche.

Mit dabei sind auch die Staaten mit den größten Wäldern weltweit: Kanada, Russland, Brasilien, Kolumbien, Indonesien, China und die Demokratische Republik Kongo. Für das Vorhaben werden demnach bis 2025 etwa zwölf Milliarden US-Dollar an öffentlichen Geldern mobilisiert. Hinzu kommen rund sieben Milliarden US-Dollar private Investitionen.

Abholzung in Brasilien nimmt zu

Was für den Wald nach einer guten Nachricht klingt, muss am Ende aber konkret nicht viel bedeuten: Die Teilnehmer eines UN-Klimatreffens in New York hatten bereits 2014 angekündigt, die Entwaldungsrate bis 2020 zu halbieren und die Entwaldung bis 2030 zu stoppen. Dennoch geht die Abholzung in industriellem Maßstab weiter, nicht zuletzt im Amazonas-Regenwald in Brasilien.

Laut dem Nationalen Institut für Weltraumforschung, das in Brasilien den Zustand der Wälder überwacht, lag die Abholzung im Land im Jahr 2014 bei 5000 Quadratkilometern (Fläche Mallorcas: 3600 Quadratkilometer). Bis zum Jahr 2020 ist die jährliche Abholzung in Brasilien auf das Doppelte angestiegen.

"Expertinnen und Experten schätzen: Mit dem, was jetzt an Zusagen und Appellen vorhanden ist, schaffen wir es, den CO2-Ausstoß bis 2030 zu stabilisieren. Um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, müssen wir ihn aber bis dahin halbieren."
Jakob Vogel, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Die Abholzung hat für das Klima gleich einen doppelten negativen Effekt: Zum einen ist der Wald vernichtet, sodass er kein CO2 mehr speichern kann. Zum anderen werden laut der Denkfabrik World Resources Institute in Washington mit Abstand die meisten Waldflächen gerodet, um darauf später Vieh weiden zu lassen. Speziell Rinder und die Weiterverarbeitung der Gülle gelten wegen des Methan-Ausstoßes als besonders klimaschädlich.

EU und China mitverantwortlich für Zerstörung des Regenwaldes

Dafür, dass Länder wie Brasilien, Paraguay und Kolumbien massenhaft Bäume fällen, sind auch die Abnehmer verantwortlich, die Tropenholz und Produkte importieren, die auf den gerodeten Flächen angebaut werden. Wie stark und welche Länder zur Abholzung beitragen, hat die Umweltorganisation WWF untersucht: Demnach ist China zu 24 Prozent an den weltweiten Tropenholz-Produktion beteiligt, die Europäische Union zu 16 Prozent.

Die größte Fläche des Tropenwalds zerstörten im Untersuchungszeitraum 2005 bis 2017 laut WWF die Importe von Soja, Palmöl und Rindfleisch, gefolgt von Holzprodukten, Kakao und Kaffee. Der WWF spricht von einer "importierten Entwaldung".

Zusätzlich zu den Beschlüssen auf der Weltklimakonferenz, weniger Wald abzuholzen, könnten speziell China, die EU, Indien, USA und Japan den Wald schützen, indem sie weniger Produkte kaufen, die mit der Tropenwald-Rodung in Verbindung stehen.

Die Waldfläche weltweit hat zwischen 1990 und 2020 in Südamerika und Afrika abgenommen, während sie in Europa und Asien etwas zugenommen hat.

  • Kurz und Heute
  • Moderator:  Till Haase
  • Gesprächspartner:  Jakob Vogel, Deutschlandfunk Nova