Es war eine sehr beliebte Seite, um Filme im Netz zu gucken. Doch jetzt bekommen einige Nutzer von Popcorn-Time unangenehme Post vom Anwalt.

Popcorn-Time, das ist eine Seite, auf der unter anderem Hollywood-Blockbuster kostenlos runtergeladen werden können. Wer das gemacht hat, dem droht jetzt Ärger. Während es bei dem berühmten kino.to-Fall gegen die Betreiber der Plattform ging, bekommen nun die Nutzer von Popcorn-Time Post vom Anwalt. Rund 815 Euro fordert die Filmindustrie im Durchschnitt mithilfe einer Münchner Anwaltskanzlei.

Warum die User jetzt ins Visier der Ermittler geraten sind, hat aber noch einen anderen Grund: Sie sind einfacher zu schnappen, als die Programmierer der Software. Denn die wird schnell in diversen Untergruppen weiterentwickelt. Und wenn irgendwo eine Domain geschlossen wird - so geschehen mit der Originalversion von Popcorn-Time - tauchen an anderer Stelle neue wieder auf.

"Die Abmahnanwälte konzentrieren sich nicht mehr auf die klassischen Streaming-Dienste."
Netzautor Andreas Noll

Bei den Usern von Popcorn-Time ist die Lage eindeutig: Sie machen etwas Illegales. Kino.to war ein Streaming-Dienst - da ist die Nutzung in einer rechtlichen Grauzone. Bei Popcorn-Time ist die Situation allerdings eine andere. Das System funktioniert über Bittorrent. Man streamt den Film, stellt ihn aber auch gleichzeitig anderen Usern zur Verfügung. Also: klassisches Filesharing. Und das ist illegal.

Bittorrent-Client mit Videoplayer

Das Problem bei Popcorn-Time. Das System ist ein Bittorrent-Client mit integriertem Videoplayer. Und das sieht eben fast aus wie beim legalen Streamingdienst Netflix. Und auch die Funktionsweise wird vielleicht nicht jedem auf den ersten Blick klar. Aber das hat keine rechtliche Relevanz, wie der IT-Anwalt Christian Solmecke erklärt.

Bleibt die Frage, wie viele User Post vom Anwalt bekommen haben? Der bekannte Anwalt Johannes von Rüden - er steckt unter anderem hinter der Seite Abmahnhelfer.de - spricht von 150 Abmahnungen, die er alleine im Januar bearbeitet hat. Aus seiner Sicht gibt es hier einen Strategiewechsel: Die Abmahnanwälte konzentrieren sich nicht mehr so stark auf die klassischen Filesharing-Dienste, sondern auf die hybriden Systeme wie Popcorn-Time.

Geld machen mit Abmahnungen

Viele User sprechen von Abzocke, weil in der Abmahnung zum Teil auch für Filme 850 Euro berechnet werden, die alt sind und längst im Fernsehen gelaufen sind. Und die beteiligten Rechtsanwaltskanzleien stehen bei diesem Thema ohnehin unter Generalverdacht.