Steve ist ein typischer Amerikaner. Er spricht breites Englisch, hat mit seinen Eltern als Kind in allen möglichen US-Bundestaaten gelebt. Mit 34 Jahren wird er plötzlich abgeschoben - als schwerkrimineller Ausländer. Da hatte er schon fast vergessen, dass er gar kein amerikanischer Staatsbürger ist.

"Ich dachte, das geht irgendwie automatisch. Ich hatte sogar eine Sozialversicherungsnummer. Kein Arbeitgeber hat je etwas gesagt, noch nicht einmal die US-Armee. Ich hab sogar in meinen Steuererklärungen geschrieben, dass ich Amerikaner sei."
Steve

Steve ist in Deutschland geboren - in Frankfurt-Höchst. Seine Mutter ist Deutsche, sein Vater aus dem US-Militär. Als Steve ein Jahr alt ist, geht die Familie in die USA - mit Greencard. Seine Mutter lässt sich scheiden, heiratet noch einmal. Der Stiefvater ist ein handwerklicher Alleskönner, hilft in Gebieten, die von Tornados verwüstet worden sind. Die Familie kommt viel herum in den USA und Steve vergisst immer mehr, wo er herkommt.

Abgeschoben

Wenn er seinen Highschool-Kumpels erzählt, er sei Deutscher, glaubt ihm das niemand. Und irgendwann glaubt er selbst nicht mehr daran. Bis er zum dritten Mal mit Marihuana erwischt wird. Steve wird verhaftet und dann geht alles ganz schnell, er kommt in ein Spezialgefängnis, gilt als "schwerkrimineller Ausländer". Acht Monate später wird Steve nach Deutschland abgeschoben.

"Sie haben mir mein Leben genommen und mich doppelt bestraft. Aber ich lebe noch. Ihr habt mich noch nicht kleingekriegt. Solange ich noch atme, bin ich vorne dabei!"
Steve

Fremde Heimat

Im Mai 2012 landet Steve in Frankfurt am Main, die Stadt in der er geboren ist. Im Flieger ist er in Begleitung zweier US-Marshalls, die ihn nicht aus den Augen lassen. In Deutschland angekommen, interessiert sich niemand mehr für seine Straftat. Hier ist er ein freier Mann - weit weg von seiner Heimat, seiner Familie, in einem Land dessen Staatsbürgerschaft er zwar hat, dessen Sprache er aber nicht spricht.