Der Wirkstoff Actovegin ist in Deutschland nicht zugelassen, hat Nebenwirkungen und wird von manchen sogar als Doping angesehen. Trotzdem spritzt es auch der Arzt der deutschen Fußball-Nationalspieler.

Von den Spielern mal abgesehen, dürfte gleich hinter dem Trainerstab der Chef-Mediziner Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt der bekannteste Vertreter des DFB-Teams sein. Er gilt als international anerkannter Experte für Sportverletzungen - doch unumstritten ist er nicht.

Vor allem für die Verwendung des Wirkstoffs Actovegin wird er kritisiert. Der Wirkstoff, der aus dem Blut von Kälbern erzeugt wird, wird direkt in den Muskel gespritzt. Dort verbessert er die Sauerstoffaufnahme, der Muskel kann besser arbeiten.

Tennisspieler fast gestorben

Aus zwei Gründen ist Actovegin problematisch:

  • Einen für den Muskel positiven Effekt hat jetzt eine Studie aus Dänemark nachgewiesen. Zwar wurde das Mittel nur an Muskelfasern untrainierter Menschen im Reagenzglas durchgeführt. Trotzdem fordert die dänische Anti-Doping-Angentur auf Basis der Studie, dass Actovegin auf die Beobachtungsliste der internationalen Anti-Doping-Agentur gesetzt wird. Schließlich soll das Mittel aus Kälberblut in gewisser Weise eine leistungssteigernde Wirkung haben. Bisher gab es zu der Frage "leistungssteigernd oder nicht?" keine Studien, weshalb der Wirkstoff auch nicht als Dopingmittel angesehen wurde.
  • Zum anderen ist Actovegin nicht ganz ungefährlich. Ein Tennisspieler, dessen Namen unbekannt ist, soll durch die Verabreichung wegen eines allergischen Schocks fast gestorben sein. In Deutschland und anderen Ländern ist Actovegin nicht zugelassen. Ärzte, die den Wirkstoff verabreichen wollen, müssen ihn im Ausland beziehen.

Trotzdem: Rein rechtlich ist alles in Ordnung, wenn das Mittel aus Kälberblut gespritzt wird.

"Es bleibt natürlich ein fader Beigeschmack, wenn die deutschen Nationalspieler mit einem Mittel behandelt werden, das von vielen anderen Medizinern als fragwürdig angesehen wird."
Sebastian Krause, ARD-Dopingexperte