Eine kurze Begegnung auf einer Party und schon kennt ihr die ganze Geschichte der Person gegenüber: sexuelle Vorlieben, Krankheitsgeschichten und weitere persönliche Details. Warum wir manchmal zu viel Intimes erzählen, besprechen wir in dieser Ab 21.

Es gibt die Leute, die ständig zu viele private Dinge erzählen. Und dann gibt es die Menschen, die sich immer wieder grenzüberschreitende Fragen zu ihrem Privatleben gefallen lassen müssen. Luisa ist so eine Person, weil ihr Rollstuhl regelmäßig fremde Leute dazu einlädt, nach ihrer Diagnose zu fragen. Und das oft, bevor sie überhaupt 'Hallo' gesagt haben.

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Luisa weiß selten, was sie darauf antworten soll, hat aber definitiv kein Interesse daran, unqualifizierten medizinischen Rat zu bekommen. Insbesondere, weil ihre Diagnose kaum jemand einordnen kann. "Ich habe eine Krankheit, mit der etwa zwanzig Menschen auf der Welt diagnostiziert sind."

"Ich möchte nicht darauf reduziert werden – ich bin ja viel mehr, als meine Behinderung an sich."
Luisa

Warum sie aber trotzdem sehr gern Informationen zu ihrer Krankheit mit der Instagram-Community teilt und wie sie Menschen helfen will, erzählt
sie uns in der Ab 21!

Intime Details auf Social Media? So bekommen viele Menschen Anteilnahme und Trost.

Aber warum fällt manchen Leuten die Balance zwischen Offenheit und Privatsphäre überhaupt so schwer? Denise Ginzburg ist Psychologin und kennt unterschiedliche Gründe, weshalb wir manchmal zu viel erzählen: "Manche Menschen haben einen starken Wunsch, schnell in enge Beziehungen zu kommen und neue Freundschaften zu knüpfen", indem sie viel teilen, wollen sie schnell Nähe schaffen.

Andere Menschen würden in schwierigen Situationen ihres Lebens zum Beispiel viel auf Social Media teilen, um Zuspruch und Trost zu bekommen. Aber es gebe auch Personen, die ihre eigene Unsicherheit überspielen, indem sie sich besonders entspannt geben und viel aus ihrem Privatleben erzählen, sagt die Psychologin.

"Wir sind gerne wichtig, bekommen viel Aufmerksamkeit und stellen uns für den Selbstwert-Boost in den Mittelpunkt."
Denise Ginzburg, Psychologin

Was wir mit anderen Menschen teilen und besprechen wollen, entscheiden wir zwar selbst, aber wir werden auch durch unsere Familien und Social Media geprägt. Gerade auf Plattformen würden wir zum Oversharen inspiriert werden: "Teile möglichst viel und möglichst krass, dann bekommst du viel Feedback, und zwar Gutes."

Likes und Anteilnahme an unseren privatesten Geschichten können uns beflügeln und unser Selbstwertgefühl stärken, sagt Denise Ginzburg. Aber es kann auch in eine andere Richtung gehen: Wenn wir private Dinge eigentlich für uns behalten wollen, aber ständig auf sie angesprochen werden.

Krankheiten, Kinderwunsch oder Beziehungen – wenn uns ein Thema zu privat ist, sollen wir uns nicht gezwungen fühlen, darüber zu sprechen, rät die Psychologin: "Klare Grenzen aufzeigen und sagen: 'Sorry, das geht dich nichts an, das ist mir zu persönlich'."

Kopfsache Podcast: Wenn persönliche Geschichten besonders gut ankommen

In ihrem Kopfsache Podcast erzählen die Freunde Hanifi und Nader regelmäßig Geschichten aus ihrem Leben. Trotzdem gibt es für beide Grenzen, was intime Details betrifft. Hanifi erzählt zum Beispiel nicht gern von Frauen, die er datet: "Ich bin introvertierter und möchte weniger teilen." Nader neigt eher mal zum Oversharing und hat auch das Gefühl, dass gerade private Erzählungen im Podcast besonders gut ankommen.

"Oversharen mache ich bewusst. Ich hab für mich die Entscheidung getroffen, was für mich ok ist und was nicht."
Nader vom Kopfsache Podcast

Oversharing sei aktuell ein großes Thema, weil Menschen auf Social Media dazu neigen würden, viel aus ihrem Leben zu erzählen, sagt Nader: "Es ist verrückt, was die Leute Intimes von sich teilen", zum Teil vor tausenden Zuschauenden.

Obwohl sie sonst ein unterschiedliches Maß für private Details haben, sind sich Nader und Hanifi in einem Punkt einig: Nie würden sie in ihrem Podcast über Familienstreitereien sprechen.

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