Homosexuelle in Ägypten werden noch immer verfolgt. Die Diskriminierung nimmt sogar zu. Schwule und Lesben müssen sogar vorsichtig sein, wenn sie Dating-Apps oder Online-Plattformen nutzen. Denn dort ermitteln auch Polizisten - unter falschen Namen.

Der 17. Mai ist der Tag gegen Homophobie. Im Jahr 1990 hatte die Weltgesundheitsorganisation genau an diesem Tag endlich Homosexualität von der Liste psychischer Krankheiten gestrichen. Das hatte dann ja auch lang genug gedauert. In Ägypten werden Homosexuelle und Transgender aber weiterhin verfolgt, sagt ARD-Korrespondentin Sabine Rossi. Sie werden gesellschaftlich geächtet. Auch kommt es zu Übergriffen in der Öffentlichkeit gegen Homosexuelle - solche Gewalt trifft vor allem Schwule.

"Homosexualität ist das absolute Tabu in Ägypten. Es gibt deshalb auch kein Outing."
ARD-Korrespondentin Sabine Rossi über Intoleranz in Ägypten

Aber auch im Netz ist Vorsicht geboten. Dalia Abdel Hameed arbeitet für die "Ägyptische Initiative für Menschenrechte". Sie hat mit verurteilten Homosexuellen gesprochen. Diese haben ihr erzählt, dass sich Polizisten unter falschen Namen bei Dating-Apps anmelden und auch auf Online-Plattformen Kontakt suchen. Kommt es zu einer Verabredung, werden Homosexuelle verhaftet. Ihre Wohnungen werden durchsucht.

Doch gerade online können Homosexuelle eine Community finden, sich austauschen und vernetzen. Viele sind teils so verzweifelt und auch einsam, dass sie Sicherheitswarnungen vergessen und private Daten preisgeben oder sich auf eine Verabredung einlassen, sagt Sabine.

Die Regierung unter Präsident al-Sisi erhöht den Druck

Eine Straftat ist Homosexualität in Ägypten nicht. Verurteilt werden Männer und Frauen unter dem Vorwurf der Ausschweifung oder der Anstachelung zu unsittlichem Verhalten. Es gibt Haftstrafen von drei bis zwölf Jahren. Oft kommt es zur Berufung und teils wird das Strafmaß herabgesetzt. Aber das Privatleben der Angeklagten ist dann meist schon ruiniert.

Die Situation für Transgender und Homosexuelle ist unter der Regierung von Präsident Abdel Fattah al-Sisi sogar schlimmer geworden. Die Verfolgung hat zugenommen, sagt Sabine: "Al-Sisi versucht, der Hüter von Moral und Sittlichkeit zu sein." Aber nicht nur Homosexuelle sind gefährdet, auch Blogger, Journalisten, politische Aktivisten. "Die Daumenschrauben werden angezogen", so Sabine.

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