Ab morgen (15. Mai) gelten bei Whatsapp neue Nutzungsbedingungen. Zwar müssen wir in Europa den Bedingungen vorerst nicht zustimmen, doch wird damit einmal mehr die Frage aufgeworfen: Warum kommen wir einfach nicht von Whatsapp los?

Im Eilverfahren hat der Hamburger Datenschützer Johannes Caspar erreicht, dass wir den neuen Nutzungsbedingungen, die morgen in Kraft treten, vorerst nicht zustimmen müssen. Unsere Whatsapp-Daten werden also zunächst nicht an die Mutterfirma Facebook weitergeleitet und wir können Whatsapp nutzen wie bisher. Zumindest in den nächsten drei Monaten – bis dahin soll die EU eine Entscheidung getroffen haben, wie es weiter geht.

Bis dahin haben wir Zeit, uns Gedanken darüber zu machen, warum wir nicht einfach den Messenger wechseln. Alternativen gibt es ja – und trotzdem fällt den meisten von uns ein Abschied von WhatsApp schwer. Aber warum eigentlich?

Der Hauptgrund ist laut Sabine Trepte, Professorin für Medienpsychologie an der Uni Hohenheim: Wir brauchen einfach unsere Routine, denn die ist pragmatisch und erspart uns Zeit.

"Wir Menschen sind Routine-Menschen – und warum sind wir das? Aus einem guten Grund, weil die Routine pragmatischer ist. Wir sparen Zeit!"
Sabine Trepte, Professorin für Medienpsychologie an der Uni Hohenheim

Ein Wechsel sei immer mit einer Neuorientierung, Aufwand und auch Kosten verbunden. Ein Preis, den wir bei einem Wechsel eventuell zahlen müssen: Wir verlieren all die Kontakte, die weiterhin auf Whatsapp bleiben, erklärt sie weiter.

Keine Interessensvertretung der Nutzerschaft

Dabei fällt vor allem der Wechsel einer ganzen Whatsapp-Gruppe den meisten schwer. Genau darauf, auf unser Herdenverhalten, ziele Whatsapp ab, sagt Sabine Trepte. Denn da dort einfach die meisten Menschen sind, würden wir das Verhalten der anderen imitieren und auch auf dieser Plattform bleiben.

Aber warum genau sind wir eigentlich auf Whatsapp? Darauf hat auch Sabine Trepte keine richtige Antwort. Sie finde es aus unternehmerischer Perspektive sehr beeindruckend und aus psychologischer Perspektive sehr überraschend. Denn wir als große Gruppe der Nutzenden würden unsere Marktmacht überhaupt nicht ausnutzen. Uns fehle eine echte Interessensvertretung, die es in die Hand nehme, das Produkt durch die Nachfrage stärker mitzugestalten.

"Ich finde das beeindruckend aus unternehmerischer Perspektive und überraschend aus psychologischer Perspektive, weil die Nutzenden ihre Marktmacht überhaupt nicht ausnutzen."
Sabine Trepte, Professorin für Medienpsychologie an der Uni Hohenheim

Harter Cut: "Ihr findet mich jetzt woanders!"

Und was tun, wenn wir selbst das Gefühl haben, wir wollen uns von Whatsapp losmachen und keiner der Freundinnen und Freunde zieht mit? Sabine Trepte rät allen Mutigen: Einfach in den Whatsapp-Status und in direkten Nachrichten schreiben, in welchem Messenger man jetzt zu finden ist und sich von Whatsapp abmelden.

"Meldet Euch einfach bei anderen Anbietern an und schreibt in euren WhatsApp-Status, wo ihr zu finden seid."
Sabine Trepte, Professorin für Medienpsychologie an der Uni Hohenheim

Für alle, denen der Cut noch zu hart ist: Man kann sich ja schon einmal auf einem neuen Messenger anmelden und die Kontakte Schritt für Schritt verlegen – natürlich in der Hoffnung, dass die anderen irgendwann doch noch mitziehen.