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Fast alle Ansteckungen mit Sars-CoV-2 über Aerosolpartikel finden drinnen statt. Maßnahmen und die Diskussion sollten sich also auf Innenräume konzentrieren, findet die Deutsche Gesellschaft für Aerosolforschung.

Erfolgreiche Strategien gegen die Covid-19-Pandemie setzten in geschlossenen Räumen wie Wohnungen, Büros, Schulklassen und Wohnanlagen an, heißt es in einem offenen Brief der deutschen Gesellschaft für Aerosolforschung an Bund und Länder. Namentlich werden Angela Merkel und Jens Spahn als Adressaten genannt. Die Forschenden haben das Schreiben am 11.04.2021 veröffentlicht.

Sie erinnern daran, dass die allermeisten Infektionen mit Sars-CoV-2 in Innenräumen stattfinden. Die Kommunikation über Maßnahmen zur Corona-Eindämmung sei irreführend. Die Debatte über Besuche in Biergärten oder andere Aktivitäten unter freiem Himmel sei kontraproduktiv, findet Sebastian Schmitt von der Deutschen Gesellschaft für Aerosolfoschung. In Innenräumen hingegen sollten sich Menschen mit anderen zusammen nur so kurz wie möglich aufhalten.

"Man sollte sich überlegen: Welche Situationen in Innenräumen kann ich vermeiden."
Sebastian Schmitt, Deutsche Gesellschaft für Aerosolfoschung

Der Fachverband verwiest auf die Erkenntnisse der Forschung zur Ausbreitung von Sars-CoV-2 durch Aerosole, also Partikelwolken in der Luft. Die Aerosolforschenden haben sie in einem Positionspapier zusammengefasst.

Sie schreiben dort: "Wenn wir die Pandemie in den Griff bekommen wollen, müssen wir die Menschen sensibilisieren, dass drinnen die Gefahr lauert." Die Krisenkommunikation müsse sich auf diesen Umstand konzentrieren, der Anteil von Infektionen im Freien liege nur im Promillebereich.

Zweifel an Wirkung von Ausgangssperren

Die Bundesregierung möchte das Infektionsschutzgesetz um eine bundesweite Notbremse erweitern. Zwischen 21 und 5 Uhr ist ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 100 Corona-Neuninfektionen pro 100.000 Einwohnern unter anderem eine Ausgangssperre vorgesehen (Stand 12.04.2021). Besonders erfolgversprechend findet Sebastian Schmitt diese Maßnahme nicht.

"Eine generelle Ausgangssperre wird das Problem nicht lösen. Das hat man in Frankreich gesehen."
Sebastian Schmitt, Deutsche Gesellschaft für Aerosolfoschung

In der Bevölkerung herrsche infolge der staatlichen Maßnahmen und der Berichterstattung darüber oft eine falsche Einschätzung zu den Risiken vor. Regelungen wie eine Maskenpflicht beim Joggen im Freien seien eher symbolische Maßnahmen und ließen keinen nennenswerten Einfluss auf das Infektionsgeschehen erwarten, steht in dem Positionspapier.

Thermik mindert Infektionsrisiko

Sebastian Schmitt sagt zu Aersolen und dem Infektionsrisiko im Freien: "Allein durch die Thermik, die unterschiedliche Temperatur von Umgebungsluft und ausgeatmeter Luft, verdünnt sich das Aerosol so schnell, dass es beim Einatmen nicht mehr zu so einer signifikanten Konzentration kommt, um sich zu infizieren."

Und noch etwas: Wer den Geruch anderer Menschen auf der Straße wahrnimmt, beispielsweise bei Rauchenden, sei noch keineswegs einem Infektionsrisiko ausgesetzt, sagt Sebastian Schmitt. Die menschliche Nase sei eben grundsätzlich ein ziemlich empfindliches Organ.