Über eine halbe Million Menschen sind dem blutigen Konflikt in der Tigray-Region in Äthiopen in den vergangenen zwei Jahren zum Opfer gefallen. Nun haben die Rebellen der TPFL ihre schweren Waffen abgegeben.

Hungersnot, Gewalt, Flucht: Die humanitäre Lage in Äthiopien ist katastrophal. Durch den Krieg war die Region monatelang von der Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten abgeschnitten. Menschenrechtsorganisationen berichten außerdem von Massenhinrichtungen und Vergewaltigungen. Zwei Millionen Menschen sind geflohen, eine halbe Million sind gestorben.

"Anfang November kam es zwar zum Friedensabkommen unter Vermittlung der Afrikanischen Union, doch die Fronten schienen immer noch verhärtet."
Antje Diekhans, Ostafrika-Korrespondentin in Nairobi

Die Hauptakteure des Konflikts sind die äthiopische Regierung, an dessen Spitze Friedensnobelpreisträger Abiy Ahmed steht, und die Volksbefreiungsfront Tigray (TPLF). Ein Jahr nach der Verleihung des Friedensnobelpreises schickte Abiy Ahmed 2020 Truppen in die Tigray-Region, um die Rebellen zurückzudrängen.

Äthiopien: Ein politischer Machtkampf

Neben diesen Hauptakteuren haben aber weitere Parteien Interessen in diesem Konflikt: So etwa Truppen aus dem Nachbarland Eritrea, die die äthiopische Armee unterstützt haben und Kämpfer aus den Nachbarregionen rund um Tigray.

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Das Friedensabkommen zeigte jetzt erst konkrete Ergebnisse: Sprecher der TPLF Getachew Reda verkündete auf Twitter, dass die Rebellen ihre schweren Waffen abgegeben haben – und so eine Forderung des Friedensabkommens erfüllen. Beobachtet wurde die Übergabe von Mitgliedern der TPLF, der äthiopischen Zentralregierung sowie einer regionalen Organisation, der "Intergovernmental Authority on Development" (IGAD).

Nächste Schritte in Richtung Frieden

Im Friedensabkommen wurde ebenfalls vereinbart, dass die Truppen aus Eritrea aus der Tigray-Region abgezogen werden. Noch sind diese vor Ort – ihr Abzug wäre der nächste wichtige Schritt, so unsere Korrespondentin.

"Tigray ist nicht die einzige Region Äthiopiens, in der es brodelt. Der nächste Brandherd könnte Oromia sein."
Antje Diekhans, Ostafrika-Korrespondentin in Nairobi

Die Oromo sind mit ca. 25,5 Millionen die größte Volksgruppe in Äthiopien. Sie fühlen sich seit Jahrzehnten an den Rand gedrängt – zunächst durch die TPLF, doch ihre Hoffnungen auf Abiy Ahmed haben sich ebenfalls nicht erfüllt. Manche Oromo sind bewaffnet.

Nach den Friedensverhandlungen zwischen TPLF und der äthiopischen Regierung müssten nun Gespräche mit anderen Volksgruppen folgen – sonst besteht die Gefahr eines nächsten Bürgerkrieges in Äthiopien, sagt Korrespondentin Antje Diekhans.

"Wie das ganze Horn von Afrika, ist Äthiopien von einer extremen Dürre betroffen."
Antje Diekhans, Ostafrika-Korrespondentin in Nairobi

Die Situation ist noch an anderen Fronten gefährdet: Eine extreme Dürre hat das Land im Griff – vor allem der Süden Äthiopiens ist betroffen. In Somalia hat es seit Jahren kaum geregnet. Die Felder liegen brach, Viehherden sind verendet. Schätzungen der Welthungerhilfe zufolge sind 20 Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfen angewiesen – das entspricht einem Sechstel der dortigen Bevölkerung.

Der Ukraine-Konflikt spielt auch hier eine Rolle, denn er treibt die Preise für Grundnahrungsmittel in die Höhe. Das bedeutet für Hilfsorganisationen und das Welternährungsprogramm, dass sie mit dem gleichen Budget weniger Menschen versorgen können.

  • Moderation:  Niklas Potthoff
  • Gesprächspartnerin:  Antje Diekhans, Ostafrika-Korrespondentin in Nairobi