Wir werfen einen Blick auf die Geschlechter- und Familienpolitik der AfD. Wir stellen fest: Die Alternative für Deutschland möchte Familien dazu bewegen, viele Kinder in die Welt zu setzen. Dagegen ist erst mal nichts zu sagen. "Aber die Modelle, die sich die AfD dahinter vorstellt, sind anderer Natur", sagt die Journalistin Simone Rafael.

Viele Kinder, das ist doch toll. Da widerspricht kaum jemand. Ja, aber bitte nur Kinder von Familien nach dem Prinzip Mama und Papa, verheiratet und nachweislich deutsch. Also was die AfD so als deutsche Familie definiert. Gerne bezieht sich das Parteiprogramm auf Thilo Sarrazin, der schon vor Jahren sinngemäß sagte, dass die Verbindung aus Mann und Frau, aus der Kinder hervorgehen, überlebenswichtig für jedes Volk sei, das sich nicht selbst abschaffen will.

"Man will eigentlich die 50er Jahre zurück, wo Mutti zu Hause bleibt mit den Kindern und der Vater als Alleinernährer in die Welt hinausgeht."

Das Familienbild, das sich aus dem Wahlprogramm der AfD ablesen lässt, zeige, dass es sich um eine Partei der Modernitätsverweigerer handelt, sagt Simone Rafael von Netz-gegen-Nazis.de. "Man will eine Welt, in der alle Menschen nur eine Hautfarbe haben und alles, was in den letzten 50 Jahren an Vielfalt hinzugekommen ist, nicht mehr existiert."

Homosexualität sei eins der Themen, sagt Rafael, wo deutlich werde, dass es mit den vielen Freiheitsrechten, die die AfD sich auf die Fahnen schreibt, nicht so weit her sei. Aufklärung in der Schule, die den Kinder beibringt, dass es mehrere sexuelle Orientierungen gibt, lehne die AfD ab. Das deklarierte sie als Frühsexualisierung. Tatsächlich gebe es aber Arbeitsgruppen, die schwul oder lesbisch sind.

"Die Frage ist, wie die das mit sich selbst ausmachen können."

Ein klassisches 50er-Jahre-Denken zeige sich ebenso beim Thema Gleichberechtigung. Die AfD findet, durch die Emanzipation werden Männer benachteiligt. Laut Simone Rafael ist im Parteiprogramm der AfD eine anti-feministische Haltung ablesbar. Für viele AfD-Mitglieder und -Anhänger scheint es wohl unvorstellbar zu sein, dass Männer und Frauen von Gleichberechtigung profitieren- und ein freies, selbstbestimmtes Leben führen können, sagt sie.

Grenze zum Rechtsextremismus fließend

In den Passagen des Parteiprogramms, in denen es um Familienpolitik geht, finde sich durchaus rechtspopulistisches Gedankengut wieder, so Simone Rafael. Indem gesagt wird, dass nur eine Form von Sexualität öffentlich sichtbar gemacht werden soll - nämlich die Ehe von Mann und Frau - findet im Umkehrschluss natürlich eine Abwertung und Ausgrenzung von Menschen statt, die diese Sexualität nicht leben. Die Argumentation verläuft dabei biologistisch, schließlich sei es von Natur aus so, dass Mann und Frau zusammengehören.

"Das sind Rechtsaußen-Positionen, die da vertreten werden."
Simone Rafael Chefredakteurin von Netz-gegen-Nazis.de über Vorwürfe, die AfD sei rechtsradikal

Simone Rafael findet, die Grenze zum Rechtsextremismus seien fließend, bei der AfD an dieser Stelle aber noch nicht überschritten.


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