Kaum war das Album "Lemonade" von Beyoncé veröffentlicht, brodelte es in der Gerüchteküche: Der Song "Sorry" thematisiert die Affäre ihres Mannes Jay Z. Schuld daran hat nur die Geliebte, die Schlampe!

Dass wir die Schuld immer gleich bei der Geliebten suchen, wenn der Mann fremdgeht, liegt an einem uralten Rollenbild, das in uns steckt, sagt die Psychologin Yvonne Keßel. Evolutionsbiologisch lässt es sich dadurch erklären, dass der Mann aus Fortpflanzungsgründen schon immer viele wechselnde Geschlechtspartnerinnen hatte. Das ist aber schon ziemlich lange her.

"Bei Frauen will man das überhaupt nicht sehen. Obwohl Studien belegen, dass Frauen genauso oft fremdgehen wie Männer."
Yvonne Keßel, Psychologin

Seit dieser Jäger-und-Sammler-Zeit haben wir schon etliche Aufklärungswellen erlebt. Heute haben wir ziemlich viele Informationen über Sexualität. Trotzdem wird in der Gesellschaft immer noch akzeptiert, dass der Mann fremdgeht, während die Frau verbal "gesteinigt" wird.

Wäre bei dem Promi-Beispiel Beyoncé fremdgegangen, hätte sich die Öffentlichkeit weniger über ihren Geliebten hergemacht. Logisch ist das nicht, weil es in einer Beziehung eigentlich ziemlich egal ist, ob er oder sie fremdgeht. Die Verantwortung für den Seitensprung liegt immer bei demjenigen, der den Seitensprung begeht, sagt die Psychologin. Letztlich bedeutet eine Affäre auch nicht unweigerlich das Ende der Beziehung, weiß Yvonne Keßel aus der Paartherapie.

Und die andere?

Die Situation der Geliebten dagegen wird gar nicht betrachtet. Ihr wird nur vorgeworfen, dass sie einen Mann, der in deiner festen Beziehung steht, in etwas verwickelt hat, sagt Yvonne Keßel. Oft ginge es aber auch ihr schlecht mit der Affäre, weil sie sich vielleicht auch mehr versprochen hatte.

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