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Vertrauen in eine so heterogenen Gruppe wie die Taliban? Wir wissen wie es 1996 bis 2001 in Afghanistan aussah, sagt der in Kabul geborene Surfer und Jurist Afridun Amu.

Verzweifelt versuchen viele Afghaninnen und Afghanen auf der Flucht vor den islamistischen Taliban ihr Land zu verlassen. Am Flughafen von Kabul hat es dabei Tote und Verletzte gegeben (Stand 16.08.2021). Insbesondere Menschen, die während der vergangenen 20 Jahre mit westlichen Regierungen, Hilfsorganisationen und Stiftungen zusammengearbeitet haben, fürchten um ihr Leben.

"Meine ehemaligen Kollegen verstecken sich alle. Wenn die von Taliban gefunden werden, dann bedeutet das wahrscheinlich das Schlimmste."
Afridun Amu, Jurist und gebürtiger Afghane

Afridun Amu ist in großer Sorge um Freunde und Bekannte in Afghanistan, um die Zukunft des Landes. Er sagt: "Es ist niederschmetternd, es ist frustrierend. Es ist eine absolute Katastrophe." Afridun Amu ist selbst in Kabul geboren und seit dem zehnten Lebensjahr in Deutschland.

Er hat als Surfer Bekanntheit erlangt und arbeitet heute als Jurist für die Max-Planck-Stiftung für Internationalen Frieden und Rechtsstaatlichkeit in Heidelberg. Zuletzt war er 2018 in deren Auftrag in Afghanistan.

Spuren der Zusammenarbeit verwischen

Zwar versuchten einige Stiftungen in Afghanistan ihre Archive zu zerstören und alle Namen irgendwie loszuwerden, allerdings sei mit Leichtigkeit herauszufinden, wer im Bereich der westlichen Entwicklungszusammenarbeit gearbeitet habe.

Auch Freunde von ihm versuchten nun, ihre Datenspuren und Verbindungen zu westlichen Organisationen zu verwischen, sagt Afridun Amu. Vor Nachbarn und der unmittelbaren sozialen Umgebung lasse sich eine solche Tätigkeit aber nur schwer geheim halten.

Angst vor den Taliban

Von irgendjemandem werde das schon wahrgenommen werden. Und wenn es durchsickere, sei das eben ein sehr, sehr großes Problem. Auch deswegen weist Afridun Amu auf die Petition "Luftbrücke für Afghanistan" bei change.org hin.

"Ich habe Freunde, die alle Fotografien und Dateien loswerden, damit sie eben nicht erwischt werden. Alles woraus hervorgeht, dass sie mit der Uno, mit deutsch-finanzierten Organisationen gearbeitet haben."
Afridun Amu, Jurist und gebürtiger Afghane

Auch wenn es Zusagen von Taliban-Funktionären gebe, dass es vielleicht nicht ganz so schrecklich werde. Vertrauen gegenüber den Taliban sei völlig fehl am Platz. "Die sind es, die seit über 20 Jahren Anschläge verüben, Menschen töten und auch heute passiert das Gleiche in den Bezirken außerhalb von Kabul", beschreibt Afridun Amu die Grausamkeit der islamistischen Miliz.

Diese Bewegung sei heterogen, ihre Machtstrukturen instabil, Anschläge, Folter und Gewalt ihre Routine. "Wir wissen, wie es 1996 bis 2001 als die Taliban in Afghanistan an der Macht waren, aussah. Das war steinzeitlich", sagt Afridun Amu.