Wenn Forscher etwas herausgefunden haben, veröffentlichen sie es in Fachzeitschriften - damit andere es mitbekommen. Logisch. Studien aus afrikanischen Ländern schaffen es allerdings nur selten in diese Fachmagazine.

Große internationale Fachmagazine interessieren sich eigentlich nur für Studien aus Europa und den USA. Rolf Horstmann ist Tropenmediziner und sagt: Afrikanische Wissenschaftler werden in den Fachjournalen weniger wahrgenommen, weil es nur wenige Institute in Afrika gibt, die international konkurrenzfähige Wissenschaft betreiben.

"Die Wahrnehmung wissenschaftlicher Arbeit beruht im Wesentlichen auf der Häufigkeit, mit der sie von anderen Wissenschaftlern zitiert wird."

Manche Forschungsfelder werden weltweit von sehr vielen Arbeitsgruppen untersucht. Dort wird dann auch viel zitiert. "Es gibt auf der Welt sehr viele Zellbiologen, deshalb werden ihre Beiträge sehr häufig zitiert", so Rolf Horstmann. "Die Erforschung von Mücken oder afrikanischen Krankheiten werden nur vom wenigen Wissenschaftlern betrieben, deshalb bleiben häufig die Zitierungen aus"

Veröffentlichungen sind kein Karriere-Boost

Die Publikationen in Nature oder Science sind im System der Industrieländer ganz wichtig für die Karriere des einzelnen Wissenschaftlers. In Afrika ist das nicht so, erklärt Rolf Horstmann. Dort sei die Beteiligung an Gremien ein viel wichtigeres Kriterium für die individuellen Karrieren der Forscher.

"Wenn die Qualität der Arbeiten stimmt, werden meines Erachtens Arbeiten von afrikanischen Einrichtungen ebenso häufig zitiert, wie Arbeiten aus Industrieländern."

In afrikanischen Ländern gibt es viel weniger Forschungseinrichtungen als in Europa und den USA. Das liegt daran, dass sie finanziell andere Prioritäten setzen müssen und mehr in Krankenversorgung und Infrastruktur investieren müssen, erklärt Rolf Horstmann. Trotzdem hat ein Verlag aus den Niederlanden jetzt angekündigt, besonders Studien afrikanischer Wissenschaftler zu veröffentlichen.

Wissenschaftliche Publikationen für die individuelle Karriere

Rolf Horstmann hält ein eigenes Fachmagazin grundsätzlich für eine gute Idee, solange daraus keine Diskriminierung entsteht, in dem vermeintlich "nur" afrikanische Forschung publiziert wird. Außerdem sieht der Tropenforscher ein Problem. wenn Wissenschaftler aus afrikanischen Ländern diese verlassen, um im europäischen und nordamerikanischen System Karriere zu machen: Wichtige Forschung würde dann aus Afrika abwandern.