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Die Reiseplattform Airbnb geht an die New Yorker Tech-Börse Nasdaq, mitten in der Pandemie und der dadurch bedingten Tourismuskrise. Wir klären, ob das eine völlig verrückte Idee ist – oder Ende 2020 eher ein richtig guter Zeitpunkt für den Börsenstart ist.

Eigenen Angaben zufolge hat Airbnb seit seiner Gründung 2008 unter dem Strich noch kein Geschäftsjahr mit einem Nettogewinn abschließen können. 2017 und 2018 hat sich das Unternehmen einem solchen aber immerhin angenähert. Und im dritten Quartal 2019 gab es dann sogar ein Plus.

In der Corona-Krise ist der Umsatz dann aber wieder um zwei Drittel eingebrochen. Das lässt sich im Antrag des Unternehmens bei der US-Börsenaufsicht SEC nachlesen. Verreisen kann während der Pandemie gerade kaum jemand. Warum sollten Anleger also gerade jetzt Airbnb-Aktien kaufen?

"Es ist erst einmal immer eine gute Idee, an die Börse zu gehen – denn das gibt Kohle in die Kasse."
Volker Hirth, ARD-Börsenstudio Frankfurt

Grundsätzlich sei es erst einmal reizvoll, an die Börse zu gehen, sagt Volker Hirth vom ARD-Börsenstudio in Frankfurt. Weil das Geld in die Kassen des Unternehmens spüle. Über den Zeitpunkt, den Airbnb gewählt hat, lasse sich zwar streiten – doch eigentlich sei der gar nicht so schlecht.

Airbnb statt Hotel

Denn wenn die Menschen jetzt in der Vorweihnachtszeit oder über die Weihnachtstage dann doch unterwegs sind, um ihre Familien zu besuchen, dann könnten sie auf das Airbnb-Angebot zurückgreifen und sich eine Wohnung mieten, um unter sich zu bleiben.

In der Hauptreisezeit, einem halben Jahr etwa, würde Airbnb also wahrscheinlich mehr Geld für eine einzelne Aktie bekommen als jetzt – aktuell sind das zwischen 56 und 60 Dollar. An der Börse werde immer nur die Zukunft gehandelt, sagt Volker Hirth. Was jetzt schlecht ist, müsse ja in sieben Monaten nicht schlecht sein. Es sei also wahrscheinlich besser, sich jetzt mit Aktien einzudecken, bevor sie dann vielleicht in einem Jahr viel zu teuer sind. So könnten viele denken.

"Es ist wahrscheinlich besser, sich jetzt mit Aktien einzudecken, bevor sie dann vielleicht in einem Jahr viel zu teuer sind."
Volker Hirth, ARD-Börsenstudio Frankfurt

Airbnb hat sich den Zeitpunkt für Börsengangs höchstwahrscheinlich gut überlegt. Und seit die weltweite Zulassung eines Corona-Impfstoffs näher rückt, sind die Märkte in Rekordlaune. Airbnb peilt eine Bewertung von bis zu 35 Milliarden Dollar an. Es könnte also der größte Börsengang des Jahres werden.

Größter Börsengang des Jahres?

Der Wert der Airbnb-Aktien werde mit sehr großer Wahrscheinlichkeit steigen, sagt Volker Hirth. Erst hieß es, die Aktie soll für 44 bis 50 Dollar herausgegeben werden. Der Run sei dann aber so groß gewesen, dass Airbnb den Preis auf 56 bis 60 Dollar erhöht hat.

Volker Hirth geht davon aus, dass der Wert der Aktie schnell nach oben steigen werden. Die Börse sei nie vernünftig. Er glaubt, dass die Hundert-Dollar-Marke noch am Tag des Börsengangs geknackt wird. Der Aktienwert könnte am Ende des Tages bei etwa 80 bis 100 Dollar liegen, schätzt der ARD-Börsenexperte.

"Die Börse ist nie vernünftig. Ich glaube, dass die Börsianer heute ausflippen werden."
Volker Hirth, ARD-Börsenstudio Frankfurt

Ähnlich sei es auch bei den Börsengängen von Amazon oder Facebook gewesen. Wer im Mai 2012 für 5000 Euro Facebook-Aktien gekauft hat, habe heute mit 30.000 Euro das Sechsfache. Natürlich müsse das bei Airbnb nicht genauso laufen – das sei ja auch ein anderes Geschäftsmodell. Trotzdem sei es eben die letzte große Onlineplattform, die an die Börse geht, das komme bei den Anlegern gut an.

Auch die Firma Tesla habe Anfangs kaum Gewinne eingefahren. Trotzdem sei sie an der Börse heute 600 Milliarden Dollar wert – also doppelt so viel wie VW, BMW, Daimler und General Motors zusammen.