Wo einst die akademische Freiheit Studium und Forschung bestimmte, geht es heute um Effizienz, Drittmittel und die Lösung konkreter Probleme. Eine kurze Geschichte des deutschen Uniwesens von Historiker Christof Dipper.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler forschen, experimentieren und versuchen, die Wahrheit herauszufinden. Doch diese Tätigkeit hat sich grundlegend verändert. Wissenschaftlich zu forschen, heißt heute etwas ganz anderes als noch vor wenigen Jahrzehnten.

"Die Einführung von Computern und Simulationsmodellen hat die Spielregeln, nach denen wir die naturwissenschaftlich-technische Welt verstehen, für immer verändert."
Christof Dipper, Historiker

Insbesondere in den Naturwissenschaften und den Technikwissenschaften geht es heute oft darum, mithilfe der Wissenschaft konkrete Probleme zu lösen, sagt der Historiker Christof Dipper. In seinem Vortrag erzählt er, wie die Unis in Deutschland zu dem geworden sind, was sie heute sind.

"Wenn heute immer noch die Grundlagenforschung als 'eigentlicher Antrieb der Wissenschaft' in Festvorträgen beschworen wird, geht das am Universitätsalltag vollkommen vorbei."
Christof Dipper, Historiker

Noch im Jahr 1960 haben nur 7 Prozent eines Jahrgangs überhaupt Abitur gemacht, also die Hochschulreife erlangt und damit die Erlaubnis erhalten, an einer Universität zu studieren. Heute haben über die Hälfte eines Jahrgangs entweder Abitur oder Fachhochschulreife.

"Von der gegenwärtigen Forschung in den Technowissenschaften erwartet man nicht mehr die Entdeckung von Wahrheit, sondern die Lösung dringender Probleme."
Christof Dipper, Historiker

Christof Dippers Vortrag hat den Titel "Von der 'libertas academia' zur Freiheit der Märkte. Diskontinuitäten im Universitäts- und Wissensschaftsbetrieb der letzten 50 Jahre."

Er hat diesen Vortrag am 20. November 2019 am Historischen Institut der Universität Köln gehalten. Die Aufnahme stammt vom Wissenschaftsportal L.I.S.A. der Gerda-Henkel-Stiftung.