Die Volkswirtin Katharina Nocun engagiert sich politisch, mit dem Ziel, Deutschlands Steuerzahler zu entlasten - allerdings nicht alle.

Bundestagswahl 2017

Katharina Nocun ist als Bürgerrechtlerin auf Demos oder als Bloggerin im Netz unterwegs. Bis vor einem knappen Jahr war sie Mitglied der Piraten, dann ist sie ausgetreten. Seitdem engagiert sie sich in unterschiedlichen NGOs und Vereinen, darunter Campact e.V.

Nach dem Ökonomiestudium war für sie klar: Das Steuersystem in Deutschland ist ungerecht. Hohes Einkommen wird zwar jetzt schon stärker besteuert als ein geringer Lohn, doch das reicht ihr nicht aus. Sie fordert, dass Politiker den bestehenden Spitzensteuersatz von 42 Prozent ab einem Gehalt von über 53.600 Euro deutlich anheben. Damit ist sie mit SPD, Grünen und Linken auf einer Linie.

"Wenn ich im Bekanntenkreis sehe, dass Familien zum Teil sehr hohe Sozialabgaben zahlen und in der Zeitung lese, dass sich große Unternehmen der Steuerzahlung einfach ins Ausland entziehen können, dann wurmt das einen natürlich."
Katharina Nocun, Bürgerrechtsaktivistin

Tatsächlich bezahlen Arbeitnehmer in Deutschland vergleichsweise sehr hohe Sozialabgaben, also Kosten für die Renten-, Kranken- und Sozialversicherung.

Unsere Gesellschaft basiert auf Solidarität

Katharina will, dass die Belastungen gerechter verteilt werden. Das heißt für sie konkret: Geringverdiener sollten weniger Steuern zahlen, Reiche mehr. Sie will vor allem die Interessen der Menschen vertreten, die wenig verdienen.

Der Wandel der Arbeitsverhältnisse bereitet ihr Sorgen, sagt sie: "Wenn  man einen immer größeren Niedriglohnsektor hat, wenn man immer mehr Scheinselbstständige und Mini-Jobber hat, dann fragt man sich: Wie soll das Sozialsystem noch funktionieren?"

Der Spitzensteuersatz in den 70ern betrug 56 Prozent, heute ist er bei 42 Prozent. "Dazwischen liegt ein himmelweiter Unterschied," sagt Katharina. Eine Vermögenssteuer, wie wir sie früher in Deutschland hatten, fände sie fair. "Wir sind eben eine Solidargemeinschaft und bezahlen Krankenhäuser, Schulen, Straßen und Polizei gemeinsam," sagt Katharina.

"Natürlich finde ich es gerecht, wenn Kapitalerträge, Vermögen und Erbschaften höher besteuert werden. Ansonsten geht die Schere zwischen arm und reich unweigerlich auseinander. Wenn wir da nicht umverteilen, wo sonst?"
Katharina Nocun, Bürgerrechtsaktivistin

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