Welche Herausforderungen Atomkraftwerke mit sich bringen, hat sich zuletzt bei der Hitzewelle gezeigt. In Deutschland sind die Anlagen auch weiterhin ein Dauerthema. Denn der Rückbau der AKW ist ganz schön komplex – und dauert oft länger als gedacht.
Hitze und Trockenheit zeigen gerade die Grenzen der Atomkraft auf. Wegen Niedrigwasser in der Donau mussten in Rumänien und Ungarn Kernkraftwerke heruntergefahren werden.
In Frankreich wurden Reaktoren auch teilweise abgeschaltet, um das Flusswasser nicht zusätzlich aufzuheizen. Atomkraftwerke brauchen viel Kühlwasser und das fehlt während der Hitzewelle dieses Jahr.
Schon 30 Jahre Rückbau
In Deutschland ist das letzte Atomkraftwerk (AKW) vor drei Jahren vom Netz gegangen – die Probleme aber sind geblieben. In Deutschland geht es nicht um Niedrigwasser oder aufgeheizte Flüsse, es geht um den Rückbau. Der ist ein langes und teures Kaugummi – es zieht sich.
In Rheinsberg in Brandenburg zum Beispiel wird das erste Kernkraftwerk der DDR seit 30 Jahren abgebaut. Es wird schätzungsweise noch weitere 20 Jahre dauern, bis die Anlage einmal komplett Geschichte ist. Bisher wird davon ausgegangen, dass der gesamte Rückbau mindesten 1,5 Milliarden Euro kosten wird.
Strahlendes Erbe
Ein AKW abzubauen ist kompliziert. Denn darin befindet sich viel radioaktiver Müll. Der muss richtig getrennt werden. Dafür werden die Räume in einem Kraftwerk gründlich dekontaminiert, die mit radioaktiver Masse in Berührung gekommen sein könnten.
Die Wände werden beispielsweise mit speziellen Sandstrahlern abgeschliffen und beim Abflexen von Stahlträgern müssen die kontaminierten Spähne aufgefangen werden. "Viel ist mühevolle Handarbeit, obwohl es auch Roboter gibt, die da mithelfen. Für dieses aufwendige Zerlegen werden auch extra neue Hallen gebaut", erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Tobias Blum.
33 AKW im Rückbau
In Deutschland sind aktuell 33 AKW im Rückbau. In Stade in Niedersachsen sind die Arbeiten mittlerweile so weit, dass das radioaktive Material sicher verpackt und abtransportiert ist. Jetzt muss noch das Gebäude abgerissen werden. Ende des Jahres soll das Kapitel abgeschlossen sein. Der Rückbau dort läuft seit 2005.
Wie hoch die Kosten werden, hängt von der Größe des AKW ab. Zusätzlich oben drauf kommen die Lagerkosten für den Atommüll. Wer das bezahlt, ist unterschiedlich. Bei den Atomanlagen der ehemaligen DDR übernimmt das der Staat. Die DDR war damals auch der Betreiber.
Wenn private Unternehmen die AKW gebaut haben, müssen die Betreiber den Rückbau und seine Kosten übernehmen. Dazu sind sie gesetzlich verpflichtet.
Das Umweltministerium rechnet damit, dass 2044 alle Kraftwerke zurückgebaut sind. Das könnte sich allerdings noch mal verlängern, zum Beispiel wegen fehlenden Fachkräften, sagt Tobias. Die Endlagerung ist noch mal ein Thema für sich. Die dauert 500 bis 200.000 Jahre, je nachdem wie stark der Müll strahlt.
