Belgien will die Kernkraftwerke Tihange und Doel wieder ans Netz nehmen - trotz einiger Störfälle. Obwohl die bekannt sind und nicht einmal sicher ist, dass die Kraftwerke gebraucht werden, sehen die Belgier das ziemlich gelassen. Ganz im Gegenteil zu Deutschland.

Gestritten wird vor allem um zwei Atomkraftwerke: um Tihange bei Aachen und Doel bei Antwerpen. Beide Meiler waren für fast anderthalb Jahre stillgelegt - unter anderem wegen Haarrissen in den Reaktorbehältern. Jetzt ist Tihange wieder am Netz, Doel musste schnell wieder abgeschaltet werden. Belgiens Atomaufsichtsbehörde sowie die Regierung behaupten, generell sei alles sicher. Genau das bezweifeln die Atomkraft-Gegner.

Braucht Belgien die Atomkraft?

Die Gegner bezweifeln auch, dass das Land wirklich Atomkraft braucht. Im Winter 2014/2015 waren nur fünf von sieben AKW am Netz. Es gab keinen Blackout. Dennoch fehlt es an Energie-Alternativen im Land. Zwar hatte die Vorgängerregierung in Brüssel schon 2003 den Ausstieg aus der Atompolitik beschlossen. Doch dann passierte nicht viel. "Die Regierung hat es in den zwölf Jahren nicht geschafft, auf ausreichend alternative Energien zu setzen", sagt die Journalistin Karin Schneider, die in Belgien lebt. "Man hat sich aber auch recht wenig bemüht."

"Die deutschen Proteste sind mittlerweile auch in Belgien angekommen."
Karin Schneider

Die Belgier gehen mit der Atomkraft gelassener um als die Deutschen, sagt Karin. Auf der deutschen Seite seien die Proteste viel lauter. Vor allem rund um Aachen ist die Sorge groß. In Belgien glaubt man eher, es wird schon gut gehen. Karin war 2011 - nach Fukushima - in Tihange unterwegs. Sie sprach mit den Bürgern: Die hatten zwar Angst vor dem Atom-Unfall in Japan, nicht aber vor dem AKW vor Ort.

Atomenergie ist nationale Sache

Die deutsche Politik macht Druck auf Brüssel. Atompolitik unterliegt aber nationalem Recht. Jedes Land ist die eigenen Kraftwerke verantwortlich.