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Karneval ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, sorgt für Jobs und Einkommen. Rund zwei Milliarden Euro Umsatz prognostiziert das Deutsche Institut für Wirtschaft für die aktuelle Saison. Am meisten profitiert Köln – und eine bestimmte Branche.

Fastnacht, Karneval und Fasching – die fünfte Jahreszeit hat viele Namen. Die Winteraustreibung war wohl der Ursprung des Brauchtums. Mit Lärm und gruseligen Masken sollte die kalte Jahreszeit "verjagt" werden. Gleichzeitig wird die Zeit vor dem Beginn der vierzigtägigen Fastenzeit gefeiert. Bei den Karnevalstagen werden also vorchristliche mit christlichen Bräuchen und Riten vermischt.

Ordentlich eskalieren

Inzwischen steht aber das "singe, danze, fiere" im Mittelpunkt, wie der Rheinländer sagen würde. Bunte Kostüme, laute Karnevalsmusik und viel Alkohol prägen die jecken Tage heute. Und für die Gastronomen ist es ein Segen, denn Fasching, Fastnacht und Karneval sind zum wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden. Mehr noch: Sie sind oft existenziell für die Bar-, Kneipen- und Eventhallenbetreiber.

"Das ist wirtschaftlich für die Eventhalle existenziell. Ohne Karneval könnten wir die so nicht halten."
Daniel Rabe, Gastronom

Daniel Rabe ist Gastronom in Köln. Ohne die Karnevalsveranstaltungen in der Eventhalle, die er betreibt, könnte er diese gar nicht halten. Dort verlangt er auch ein wenig mehr für das Kölsch als in seiner Kneipe. Diese Einnahmen helfen ihm zugleich, Defizite auszugleichen.

Daniel Rabe ist selbst großer Karnevalsfan und nimmt an Veranstaltungen teil: "Das lasse ich mir nicht nehmen", sagt der Gastronom. Und er freut sich darüber, dass Feiernde bereit sind, an Karneval viel mehr auszugeben als bei anderen Events.

"Man geht da rein, bestellt sich ein Fässchen oder eine Flasche Wein – das sind ganz andere Umsätze als wenn zum Beispiel ein Comedystar auf der Bühne steht."
Daniel Rabe, Gastronom

Ab Anfang Januar geht die Session los. In Daniel Rabes Eventhalle beginnt dann die Zeit mit den Karnevalsevents, bei den Tausend Leute gemeinsam feiern. Sieben- bis achtmal mehr Alkohol trinken die Leute dann mehr als bei einem Comedyevent und vier- bis fünfmal mehr als bei einem Konzert, schätzt Daniel Rabe.

Auch die Anfragen von Karnevalstouristen, die zum Beispiel aus Hamburg oder Berlin oder dem Ausland anreisen wollen, werden mehr. Und auch für Hotels und Betreiber von Ferienunterkünften lohnt sich das Karnevalsgeschäft. Ungefähr ein Viertel seines Jahresumsatzes macht Daniel Rabe an Karneval, schätzt er.

Karneval boomt – auch viele Anfragen aus anderen Städten

Soziale Medien transportieren das positive Karnevalsgefühl rasant in die ganze Welt, sagt Daniel Rabe. Die Menschen werden mobiler und nehmen auch größere Entfernungen in Kauf. Zugleich wollen Partygäste inzwischen sichere Plätze haben und haben keine Lust, stundenlang vor Kneipen anzustehen.

"Karneval ist ein Punkt, wo eine Schwelle fällt, Karneval hebt man sich auf. Da hat man einen Schein im Portemonnaie, da hat man Lust zu eskalieren."
Daniel Rabe, Gastronom

Marc Scheufen, arbeitet als Senior Economist für das Institut der Deutschen Wirtschaft. Bei Einnahmen an 100 Sessionstagen erwartet er einen Gesamtumsatz von knapp zwei Milliarden Euro. Je nach Anzahl der Sessionstage zwischen dem 11.11. und dem Aschermittwoch kann der Umsatz deutlich schwanken. Im letzten Jahr gab es 15 Sessionstage mehr und entsprechend wurden 150 Millionen mehr Umsatz erwirtschaftet.

Ihr habt Anregungen, Wünsche, Themenideen? Dann schreibt uns an unboxingnews@deutschlandradio.de

  • Unboxing News
  • Moderation: Ilka Knigge
  • Gesprächspartner: Daniel Rabe, Gastronom in Köln
  • Gesprächspartner: Marc Scheufen, Institut der Deutschen Wirtschaft