Wanderwege, Berge, Küste und einer von Europas letzten Wildflüssen: Albanien hat viel zu bieten, berichtet Buchautorin Franziska Tschinderle, die einige Zeit in dem Land gelebt hat und sich mit den Menschen, der Kultur und politischen Geschichte auseinandergesetzt hat.

Eins ihrer Highlights während der Zeit in Albanien sei der Vjosa gewesen – einer von Europas letzten Wildflüssen, im Süden Albaniens. Dort treffen sich viele zum Paddeln oder Mountainbiken, berichtet Franziska Tschinderle. Für sie ist das unbekannte Land definitiv eine Reise wert, nicht zuletzt wegen der Vielfalt aus Bergen, Küsten und Metropolen wie der Hauptstadt Tirana.

Die Journalistin aus Wien berichtet schon länger über Albanien. Meist sei es aber um Proteste und Wahlen gegangen. Schließlich habe sie ein halbes Jahr in Albanien gelebt und das Land ganz anders kennengelernt und ihre Erkenntnisse und Erfahrungen in einem Buch aufgeschrieben: "Unterwegs in Albanien – Meine Reise durch ein unbekanntes Land".

Franziska Tschinderle im Profil
© privat
Franziska Tschinderle, Journalistin und Autorin

Sehr früh im Buch schreibt sie sinngemäß, dass es nicht möglich sei, das Land Albanien zu verstehen, wenn man die Geschichte des Landes nicht kennt. Damit meint die Journalistin die kommunistische Diktatur unter Enver Hoxha bis 1985. Die mehr als 40 Jahre unter seiner Herrschaft – man könne auch sagen Schreckensherrschaft – hätten das Land geprägt.

Enver Hoxha hat Albanien bis heute geprägt

Bis heute habe jedoch keine Aufarbeitung stattgefunden, berichtet Franziska Tschinderle. Es gebe Menschen, die von der kommunistischen Diktatur profitiert hätten, es gebe aber auch etliche, deren Familien bis heute darunter litten.

"Es gab keine strafrechtliche Aufarbeitung der Zeit vor der Wende und das hat tiefe Wunden hinterlassen."
Franziska Tschinderle, Journalistin und Autorin

In ihrem Buch geht es aber auch um die Öffnung des Landes nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und um die die junge Generation in Albanien, die sich eine politische Alternative zu den beiden Großparteien im Land wünscht. Für die junge Generation in Albanien sei es schwierig, so etwas wie eine Linke aufzubauen, "wenn im Namen des Sozialismus 46 Jahre lang so viel Schaden angerichtet wurde", sagt Franziska Tschinderle.

Viele junge Leute wollen Albanien verlassen

In dem Land, das eins der ärmsten in Europa ist, liegt die Jugendarbeitslosigkeit um 30 Prozent. Selbst Akademiker und Akademikerinnen wollen das Land verlassen, so Tschinderle. Nicht wenige würden in der Gastronomie oder in Call-Centern arbeiten.

"Viele junge Menschen wollen das Land verlassen. Für Menschen, die studiert haben, gibt es kaum Jobs."
Franziska Tschinderle, Journalistin und Autorin

Franziska Tschinderle berichtet von Agenturen, die sich darauf spezialisiert hätten, junge Menschen ins Ausland zu bringen. Dort werden sie beispielsweise zu Krankenpflegerinnen und -pflegern ausgebildet, weil das Berufe sind, die in Deutschland fehlen.

Queere Menschen leben Doppelleben

Doch trotz der eher düsteren Perspektiven plädiert sie dafür, das Land genauer kennenzulernen. Dort lebe auch viel auf – wie die LGBTQ-Szene beispielsweise. Anders als in den umliegenden Ländern seien queere Paraden möglich; auch gebe es Antidiskriminierungsgesetze zum Schutz von Schwulen und Lesben. Jedoch ließe sich das nicht idealisieren, berichtet sie. Wegen der Tradition sei ein Outing in vielen Familien immer noch nicht möglich.

"Es gibt Menschen, die ihren Eltern seit acht Jahren nicht erzählen, dass sie homosexuell sind. Der Trend geht zum Doppelleben."
Franziska Tschinderle, Journalistin und Autorin

Das Buch über Albanien zu schreiben, sei ihr wichtig gewesen, sagt Franziska Tschinderle. Sie wollte das Land einmal anders zeigen und in dem Buch sei Platz gewesen für Geschichte und viel Alltägliches. "Ich glaube gerade im Kontext der EU-Erweiterung, dass wir einen sehr verklärten Blick auf diese Länder haben, wenn es immer darum geht, was nicht funktioniert und wo die Querelen stattfinden."

"Als Journalistin muss man einen guten Weg finden zwischen kritischem Berichten und nicht immer in die gleiche Kerbe schlagen."
Franziska Tschinderle, Journalistin und Autorin