Es war eigentlich ein normales Forschungsprojekt. Entstanden ist am Ende etwas anderes: die Möglichkeit, Fischerboote kontrollieren zu können. Ganz entscheidend dabei: die überragenden Flugeigenschaften des Albatros.

Am Ende des Forschungsprojekts ist die Idee entstanden, dass Albatrosse dabei helfen können, illegale Fischerboote zu finden - also solche, die in Gebieten fischen, für eine spezielle Lizenz benötigt wird, die die Fischer womöglich gar nicht haben. Doch von vorn.

Wissenschaftler der nationalen französischen Forschungsorganisation CNRS wollten herausfinden, ob junge Albatrosse von Fischerbooten angelockt werden. Schließlich sind die Fische, die die Schiffe mit den Fangnetzen aus dem Meer holen, eine leichte Beute.

"Die Idee war eher ein Zufallsprodukt".
Mario Ludwig, Deutschlandfunk-Nova-Tierexperte

In einem groß angelegten Experiment statteten die Wissenschaftler deshalb insgesamt 169 Albatrosse mit speziell entwickelten sogenannten Loggern aus - Geräte, die über gleich zwei Techniken der Positionsbestimmung verfügen: GPS (wie der Ortungsdienst im Smartphone) und Radar (Abstände zu Objekten messen durch reflektierte Funksignale).

Die Übermittlung dieser GPS- und der Radardaten von den Albatrossen ermöglicht dann eine Ortung von Schiff und Albatros in nahezu Echtzeit auf einer Online-Karte.
Bei der Auswertung dieser Daten ist den Wissenschaftlern dann aufgefallen: Hier stimmt was nicht.

30 Prozent der Boote hatten Gerät zur Identifikation ausgeschaltet

Normalerweise schalten Fischer auf ihren Fahrten ihr sogenanntes Automatisches Identifikations-System (AiS) ein. Mithilfe dieses Systems senden die Schiffe per Funk kontinuierlich Daten sowohl über ihre Identität als auch ihre aktuelle Position. Eigentlich sollte das AiS aus Sicherheitsgründen immer eingeschaltet sein, damit immer bekannt ist, wo sich welches Schiff gerade befindet.

Albatros über einer Düne
© imago images/Nature Picture Library

Als die französischen Wissenschaftler die von den Albatrossen erfassten Daten der Schiffe mit den offiziell verfügbaren AiS-Daten der Schiffe verglichen haben, entdeckten sie: Rund 30 Prozent der Fischerboote hatten ihr AiS ausgeschaltet. Sie waren also quasi inkognito unterwegs, ohne Identifikation.

Die Forscher konnten beobachten, dass Fischerboote, die in Zonen unterwegs waren, in denen sie eine spezielle Fanglizenz haben müssen, ihr AiS-Signal manchmal für mehrere Wochen ausgeschaltet hatten. Der Verdacht: Hier wird illegal gefischt.

"Die Flugeigenschaften von Albatrossen machen sie für Überwachungsaufgaben nahezu ideal."
Mario Ludwig, Deutschlandfunk-Nova-Tierexperte

Da diese Erkenntnis mithilfe der Albatrosse und den von ihnen transportierten Loggern gewonnen wurde, liegt eine Idee nahe: Die Vögel könnten auch gezielt dabei helfen, illegal operierende Fischerboote aufzuspüren.

Dass Albatrosse (und nicht etwa Möwen) große Flächen im Meer analysieren können, ist kein Zufall: Sie sind perfekte Flieger, die fast ihr ganzes Leben in der Luft verbringen. Sie haben eine überragende Flugtechnik, ihre langen Flügel (bis zu 3,50 Meter Spannweite) helfen ihnen beim energiesparenden Segeln, sie kreuzen oft monatelang über den Meeren. Hinzu kommt: Sie können hervorragend sehen und ein Schiff noch aus 30 Kilometer Entfernung erspähen.

Während des sechs Monate dauernden Experiments überwachten die 169 Albatrosse über 20 Millionen Quadratmeilen des Meeres - das ist eine Fläche so groß wie Asien. Oder anders: ein Siebtel der gesamten Wasseroberfläche der Erde.