0:1 gegen Mexiko – bei der Fußballweltmeisterschaft in Russland hat  Titelverteidiger Deutschland einen kapitalen Fehlstart hingelegt. Im Gegensatz zu Löws Mannschaft machte der iranische Schiedsrichter Alireza Faghani seine Sache sehr ordentlich. Das sagt zumindest Alex Feuerherdt vom Schiedrichterpodcast "Collinas Erben, der für uns die Unparteiischen nach den Spielen mit deutscher Beteiligung einschätzt. 

Alex Feuerherdt hat der Schiedsrichter im gestrigen Spiel sehr gut gefallen. Weil der Iraner Alireza Faghani von Beginn an gezeigt habe, dass er keinen falschen Respekt vor großen Namen hat und die Mätzchen der Spieler nicht durchgehen ließ, so das Urteil über den Unparteiischen.

"Die deutschen Spieler schienen so ein bisschen geglaubt zu haben, dass sie einen Weltmeisterbonus haben und schon einen Freistoß bekommen werden, wenn sie im Zweikampf hinfallen."
Alex Feuerherdt

Gemeint ist zum Beispiel eine Szene in der 14. Minute: Toni Kroos geht nach einem leichten Kontakt zu Boden und hält den Ball dann mit den Händen fest. Nach Feuerherdts Einschätzung  dachte Kroos offenbar, er bekäme  einen Freistoß. Den gab es tatsächlich - allerdings für Mexiko. Schiedsrichter Faghani hat die Aktion nämlich als Handspiel von Kroos gewertet, nicht als Foul an ihm.

17.06.2018, Russland, Moskau: Fußball: WM, Vorrunde, Gruppe F, 1. Spieltag: Deutschland - Mexiko im Luschnikistadion. Toni Kroos (l) und Mesut Özil (r) aus Deutschland diskutieren mit Schiedsrichter Alireza Faghani. Foto: Ina Fassbender/dpa
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Toni Kroos (l) und Mesut Özil (r) aus Deutschland diskutieren mit Schiedsrichter Alireza Faghani.

Schiedsrichter Faghani war insgesamt sehr großzügig

Mit Blick auf den gesamten Spielverlauf kommt Alex Feuerherdt zu dem Ergebnis: Der Schiedsrichter ließ das Spiel oft laufen und hat so den Spielfluss gefördert. Wenn nicht wegen jeder Kleinigkeit abgepfiffen wird, so Alex, dann sei eben auch ein Zweikampf wie der vor dem Tor für Mexiko möglich. Alex Feuerherdt bescheinigt Schiedsrichter Faghani insgesamt Souveränität sowie eine starke Art der Kommunikation. Einzig die Nachspielzeit von nur drei Minuten hat Alex Feuerherdt verwundert.   

"Nur drei Minuten trotz des mexikanischen Zeitspiels, das war vielleicht ein bisschen wenig, gerade bei dieser WM, wo regelmäßig fünf oder sogar sechs Minuten draufgegeben werden."
Alex Feuerherdt von Colinas Erben

Nachspielzeiten in einem WM-Spiel berücksichtigen Spielerwechsel und Torjubel

International werde die Nachspielzeit ein bisschen anders festgelegt als in Deutschland, erklärt Alex Feuerherdt. In der Bundesliga gehe man beispielsweise davon aus, dass eine Auswechslung eines Spielers nicht übermäßig lange dauert. Und darum begründe ein Spielerwechsel eben auch keine Nachspielzeit. International und in anderen Ligen dagegen laute die Faustregel eher "30 Sekunden pro Wechsel" so Feuerherdt. Daher kämen bei sechs Wechseln also schon mal drei Minuten zusammen. Berücksichtigung finde bei Uefa- und Fifa-Spielen außerdem der Torjubel. Die Folge: Bei dieser WM werden regelmäßig fünf bis sechs Minuten nachgespielt. 

Die besten Schiedsrichter der Welt

Warum die Schiedsrichter bei dieser WM so gut pfeifen? Es wurden schon für die ersten Spiele die besten der Welt ausgesucht, so Alex Feuerherdt: Nestor Pitana aus Argentinien, Björn Kuipers aus den Niederlanden, Cüneyt Cakir aus der Türkei oder Gianluca Rocchi aus Italien. Eine Lehre aus der WM 2014. 

Nestor Pitana is pictured in the Group A match between Russia and Saudi Arabia during the 2018 FIFA World Cup in Moscow. 25.04.2018, Bayern, München: Fußball: Champions League, Bayern München - Real Madrid, K.o.-Runde, Halbfinale, Hinspiel in der Allianz Arena. Schiedsrichter Björn Kuipers zieht die gelbe Karte. Foto: Matthias Balk/dpa. 15.06.2018, Russland, Sotschi: Fußball: WM, Vorrunde, Gruppe B, 1. Spieltag: Portugal - Spanien im Sotschi-Stadion. Schiedsrichter Gianluca Rocchi aus Italien. Foto: Marius Becker/dpa
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Nestor Pitana, Björn Kuipers und Gianluca Rocchi (von links nach rechts).

Damals hatte es gleich im Eröffnungsspiel zwischen Brasilien und Kroatien viel Ärger gegeben, erinnert sich Alex Feuerherdt. Im Gegensatz dazu seien jetzt die Topreferees ausgeschwärmt - und das habe sich ausgezahlt. 

Innovation Videobeweis

Eine gravierende Neuerung bei dieser WM: der Videobeweis, der in der Bundesliga in der vergangenen Saison ein ständiges Streitthema war. Während der WM laufe es aber bisher sehr gut, so Alex Feuerherdt. Und das habe vor allem drei Gründe:  

  1. Die Videoassistenten würden nach Meinung von Alex Feuerherdt wirklich nur dann eine Änderung empfehlen, wenn der Schiedsrichter eindeutig etwas übersehen oder mit seiner Wahrnehmung komplett daneben gelegen hat. 
  2. Die Videoassistenten sind bei ihren Prüfungen bislang richtig schnell. Es vergeht kaum Zeit, bis feststeht, wie es weitergeht.
  3. Die Transparenz - Hauptkritikpunkt der Bundesliga - sei beachtlich: Bei den Reviews durch den Schiedsrichter am Spielfeldrand sehen die Fernsehzuschauer die gleichen Bilder wie der Schiedsrichter. Zudem werde dem Publikum im Stadion im Anschluss an den Videobeweis die entscheidende Kameraeinstellung gezeigt. Dazu kommt noch eine schriftliche Erklärung auf der Videowand. Und diese Information sei wirklich gut, so Feuerherdt. Selbst viele Kritiker staunten gerade.

Zur Serie "So war der Schiri"

Alex Feuerherdt vom Schiedrichter-Podcast "Collinas Erben"
© Alexander Feuerherdt
Immer an den Tagen nach Spielen mit deutscher Beteiligung sprechen wir mit Alex Feuerherdt

Ein Pfiff - drei Meinungen. Beim Fußball wird über die Entscheidungen der Schiedsrichter immer heftig gestritten. Das ist bei der Fußball-Weltmeisterschaft auch so. Während des Turniers in Russland schauen wir regelmäßig mit Alex Feuerherdt vom Schiedrichter-Podcast "Collinas Erben" auf die Leistungen der Schiedsrichter. Immer nach jedem Spieltag mit deutscher Beteiligung.