Sie sollen schmecken wie Käse - oder auch wie Fischfutter. Über den Geschmack von Algen lässt sich streiten, aber Wissenschaftler aus Stuttgart hoffen, dass sie die perfekte Astronautennahrung sein könnten. Mahlzeit!

Gerade haben die Astronauten der ISS zum ersten Mal selbstgezüchteten Romana-Salat gekostet - in Zukunft könnten die Salate den Speiseplan der Astronauten bereichern. Bei Flügen zum Mond, die früher fünf bis sechs Tage gedauert haben, konnten die Raumfahrer noch bequem alles an Proviant mitnehmen, was sie brauchten. Bei Raumfahrten, die länger dauern, wird die Versorgung mit Nahrungsmitteln schwieriger.

In Stuttgart forschen Wissenschaftler deshalb gerade daran, ob sich Algen zum Astro-Salat der Zukunft entwickeln könnten. In einer kleinen Box sollen die ersten Text-Exemplare schon 2018 auf die ISS geschickt werden, die Astronauten könnten dann selbst Algen vor Ort züchten.

Nachwachsendes Essen

Im Forschungslabor in Stuttgart sickern die Algen als grüne Masse durch einen schmalen Glaskasten. Die Masse sieht ungefähr so aus wie pürierter Spinat, aber die unscheinbare grüne Pampe produziert Zucker und Sauerstoff und zwar mit CO2, Wasser und über Lichtenergie.

"Chlorella ist ein bisschen die Standardalge, die nahrhaft ist. Also fokussieren wir uns jetzt erst mal auf die Alge. Was uns interessiert, ist: Es gibt keine Erfahrungswerte dazu, wie die Alge darauf reagiert, wenn sie in der Schwerelosigkeit ist."
Jens Bretschneider, Ingenieur und Algenforscher

Deshalb unterziehen die Forscher Chlorella in Stuttgart einigen Tests - und sind bis jetzt sehr optimistisch, dass die Alge sich gut auf der Raumstation machen würde. Die Alge lässt bisher ziemlich viel mit sich machen. Chlorella ist ein Einzeller, und von Natur aus eher schlicht und unkompliziert. Wenn sie sich in der Schwerelosigkeit genau so prächtig entwickelt wie hier auf der Erde, dann könnten Astronauten in ein paar Jahren schon Algen ernten und vielleicht Snacks daraus machen. Neben Chlorella könnte auch die Blaualge Spirulina dafür geeignet sein.

"Man kann die Alge tatsächlich auch verbacken." ​
Harald Helisch, Biologe

Auf der ISS soll 2018 aber erst einmal getestet werden, wie sich Chlorella im All verhält; die Daten sollen direkt nach Stuttgart geschickt werden. Wenn die Testes gut verlaufen, muss nur der Geschmack der Algen vielleicht noch ein wenig verfeinert werden, bis sie zu leckerer Astronautennahrung werden können.

"Es gibt Leute, die sagen: Woah, das ist ziemlich eklig, das will ich nicht essen. Es gibt Leute, die sagen es schmeckt wie Fischfutter, es gibt welche, die sagen wie Käse."
Jens Bretschneider, Ingenieur und Algenforscher