Pulque ist neben Tequila das Nationalgetränk der Mexikaner. Schon die Azteken kannten und liebten das Agaven-Gebräu. Ein internationales Forscherteam hat jetzt herausgefunden: Pulque wurde sogar schon im antiken Teotihuacán getrunken.

Pulque wird aus Agaven hergestellt, einer Pflanze, die ein wenig an Kakteen erinnert, botanisch gesehen aber zu den Spargelgewächsen zählen. Um Pulque herzustellen, wird der Saft der Agave vergoren, allerdings nicht wie bei Bier mit Hefepilzen, sondern mit Bakterien. Getrunken wird Pulque mit Eis, so schmeckt das Getränk am besten.

Fast 1000 Jahre alt

Dass Pulque bei den Azteken sehr beliebt war, ist bekannt. Jetzt haben Forscher herausgefunden, dass der alkoholhaltige Agavensaft auch schon im antiken Teotihuacán getrunken wurde. Teotihuacán liegt in der Nähe vom heutigen Mexiko-Stadt und war zwischen 150 vor und 650 nach Christus das Zentrum einer Hochkultur. Danach verfiel die Stadt. Als die Azteken ein paar Jahrhunderte später kamen, war Teotihuacán bereits eine Ruinenstadt.

Mit Pulque gegen Mangelerscheinungen

In vielen Kulturen ist ein ritueller Rausch wichtig, das dürfte auch in Teotihuacán nicht anders gewesen sein. Doch spricht einiges dafür, dass es noch andere Gründe für den Pulque-Genuss gegeben haben muss. Zum einen macht Alkohol die Nahrung haltbarer - auch Trinkwasser - zum anderen liefert Alkohol Kalorien, was gerade in Notzeiten wichtig sein kann:

"Pulque hilft auch tatsächlich gegen Mangelerscheinungen in Hungersnöten. Die Einwohner von Teotihuacán aßen vor allem Mais"
Britta Wagner, DRadio-Wissen-Nachrichten

Untersuchungen an Knochen von Skeletten aus Teotihuacán haben gezeigt, dass es häufig Phasen von Mangelernährung in der Stadt gegeben haben muss. In Mais kommen beispielsweise kaum Eisen und Zink vor. Praktischerweise hilft Pulque dem Körper, genau diese Mineralien besser aufzunehmen.

Nachweis für die älteste Pulque-Produktion in Mittelamerika

Alkohol-Bestandteile sind wasserlöslich und über die Jahrhunderte nicht nachweisbar. An alten Gefäßen haben die Forscher aber Rückstände der Bakterien gefunden, die den Agavensaft zu Pulque fermentieren. Diese Rückstände sind haltbarer als Alkoholbestandteile - und wenn es die Bakterien gegeben hat, muss es auch Pulque gegeben haben.

Da diese Methode auch auf andere Alkoholika angewendet werden kann, die aus Pflanzensaft oder Früchten hergestellt werden, erfahren wir bald vielleicht auch mehr über den Ursprung von Cider oder Palmwein und damit mehr über das Saufen in der Antike.