Viele Studierende trinken gerne mal Alkohol. Aber wann wird der Konsum zur Sucht? Und wird der Rausch an den Unis zu sehr institutionalisiert? Die Pädagogische Hochschule Freiburg will mit einem "Anti-Alkohol-Tag" sensibilisieren.

An der Pädagogischen Hochschule Freiburg findet in der Mensa ein "Anti-Alkohol-Tag" statt. Interessierte können zum Beispiel einen "Rauschbrillen-Parcours" absolvieren. Ebenso wird das Präventionsprogramm eCHECKUP TO GO-Alkohol erklärt. Das können Studierende nutzen, um sich jederzeit online ein persönliches Risikoprofil zu erstellen.

Akademiker trinken mehr Alkohol als Nichtakademiker

Denn manche Studierende trinken zu viel. Insgesamt ist der Alkoholkonsum von Studierenden wohl deutlich höher als der von Nichtakademikern. Zu diesem Schluss kommt die Krankenkasse Barmer, die an dem Präventionsprogramm beteiligt ist.

Alkohol trinken gegen Stress

"Man rechnet mit etwa 20 Prozent von Studierenden, die einen nicht ungefährlichen Gebrauch von Alkohol haben", sagt Wilfried Schumann, Leiter der psychologischen Beratung an der Universität Oldenburg. Dass Studierende Alkohol konsumieren, ist nichts Neues. Studieren und Party machen schließen sich nicht aus. Doch seit die Bachelor- und Masterstudiengänge eingeführt wurden, werde häufiger auch getrunken, um Spannung abzubauen, so Wilfried Schumann. Trinken sei mittlerweile häufiger eine Reaktion auf Stress.

"Es gibt doch eine Reihe von Studierenden, die das tun, um Spannungen abzubauen. In der Hinsicht hat sich das vielleicht etwas gewandelt."
Wilfried Schumann, Leiter des Psychologischen Beratungs-Service Uni Oldenburg

Zugleich ist das Studium eben auch eine Lebensphase ohne Kontrolle der Eltern. Es gibt nicht viel Erklärungsdruck, sondern eher ein hohes Maß an Freiheit.

Dennoch ist auch deutlich, dass der Alkoholgenuss an vielen Universitäten quasi institutionalisiert ist. Das zeigt sich beispielsweise häufig während der Orientierungswochen – der sogenannten O-Wochen – für die Erstsemester. Das Willkommen an manchen Unis ist mit Alkoholkonsum verbunden. Dass damit der Rausch institutionalisiert wird, findet Wilfried Schumann bedenklich.

"Was mir zum Beispiel ein absoluter Dorn im Auge ist, dass das Willkommenheißen im Grunde mit Trinkspielen bis zur Bewusstlosigkeit verbunden ist."
Wilfried Schumann, Leiter des Psychologischen Beratungs-Service Uni Oldenburg

Universitäten wie die Uni Oldenburg oder auch die Pädagogische Hochschule Freiburg wollen mehr über die Gefahren des Alkoholkonsums aufklären. Andere setzen auch Verbote durch: Die Uni Wuppertal zum Beispiel hat in der Adventszeit 2019 den Konsum von Glühwein vor den Hörsälen bis 15 Uhr untersagt. Eben um dem "zunehmenden Angebot" von Alkohol auf dem Campus entgegenzuwirken, berichtet der WDR.

Doch flächendeckend gibt es keine Initiative gegen Alkoholsucht, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Martin Schütz. Wilfried Schumann sucht deshalb den Kontakt zu Fachschaften anderer Universitäten, um dafür zu werben, dass der Rausch nicht glorifiziert wird und zu viel Alkoholkonsum als Sucht wahrgenommen wird.