Seit etwas mehr als vier Jahren gibt es Bilder von Lungenkarzinomen und anderen Gefahren auf Zigarettenschachteln. Für Alkohol gibt es diese Warnungen auf den Flaschen hingegen nicht. Dabei würden diese den Konsum verringern - zumindest in Kanada.

Um die Auswirkungen von Warnhinweisen auf Flaschen zu testen, ließ ein kanadisches Forschungsteam in Yukon, ein Territorium in Kanada, Flaschen mit den dafür entwickelten Etiketten verkaufen. Eine zweite Region diente zur Kontrolle, dort untersuchten sie den Alkoholverkauf mit den Flaschen ohne Hinweise.

Das Ergebnis ihrer Studie: In dem Gebiet, in dem die Flaschen mit den Warn-Etiketten verkauft wurden, ging der Verkauf um knapp sieben Prozent zurück.

Die Forschenden testeten drei Arten von Etiketten:

  • Auf einem klärten sie darüber auf, dass Alkohol unter anderem Darm- und Brustkrebs verursachen kann.
  • Auf einem zweiten waren die kanadischen Richtlinien zu risikoarmen Trinken abgedruckt. Diese besagen, dass eine Frau nicht mehr als zwei und ein Mann nicht mehr als drei Standard-Drinks am Tag trinken sollte. Außerdem sollte an mindestens zwei Tagen in der Woche komplett auf Alkohol verzichtet werden.
  • Ein drittes Etikett zeigt, wie viele Standard-Drinks in einer Flasche enthalten sind. Das hängt von dem jeweiligen Alkoholgehalt ab. In einer Weinflasche mit zwölf Prozent und 750 Milliliter entspricht beispielsweise fünf Standard-Drinks. Bei einem Likör mit 15 Prozent sind es schon sieben.

Wissen über Folgeschäden stieg an

Der Verkauf der etikettierten Flaschen hatte auch noch einen anderen Effekt: Die Konsumenten wussten danach besser über Gesundheitsrisiken durch Alkoholkonsum Bescheid.

Die Forscher befragten über 2.000 Personen, was sie über die gesundheitlichen Konsequenzen von Alkoholkonsum wussten - einmal vor und einmal nachdem die Flaschen in Yukon verkauft wurden.

Vorher wussten etwa 25 Prozent, dass Alkohol Krebserkrankungen begünstigen kann. Zwei Monate nachdem die Flaschen für kurze Zeit mit den Krebs-Etiketten versehen waren, waren es dagegen 42 Prozent. Und das, obwohl schon ein halbes Jahr seit dem Versuch vergangen war.

"Die Alkohol-Branche hat sich beschwert, dass es keine rechtliche Grundlage gebe, um die Flaschen mit den Warnhinweisen zu bekleben und die Regierung so die Alkohol-Branche diffamiere. Daraufhin wurde das Experiment erstmal abgebrochen."
Sabrina Loi, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Obwohl das Experiment einen nachweislich positiven Effekt auf den Alkoholkonsum hatte, wurde es abgebrochen. Denn: Die Alkohol-Branche hat sich beschwert und sich durchgesetzt. Und das obwohl in Kanada alkoholische Getränke nur in staatlich betriebenen Liquor-Stores verkauft werden. Diese gehören der jeweiligen Provinz.

Warnhinweise müssen politische Entscheidung abwarten

Noch ist unklar, ob die Warnhinweise auf kanadischen Alkoholflaschen bald kommen. Die Forschenden befürworten dies. Sie haben mittlerweile die Argumentation der Alkohol-Branche entkräftet, dass solche Etiketten mit gesundheitlichen Warnungen nicht auf Flaschen gedruckt werden dürfen.

"Warnungen, dass Alkohol zu Krebs führt, werden weltweit nur in zwei Ländern verpflichtend auf Flaschen gedruckt: in Südkorea und in Irland."
Sabrina Loi, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Wie schwierig es ist, solche Warnhinweise durchzubringen, zeigt auch das deutsche Beispiel: Schon vor zehn Jahren sollten solche Warnungen auf Flaschen gedruckt werden. Das ist gesetzlich nie durchgekommen.

Brauereien, die auf ihre Flaschen beispielsweise Symbole von durchgestrichenen, schwangeren Frauen zum Schutz des Babys drucken, tun dies freiwillig.