Die Nase juckt, die Augen tränen und wir bekommen Atemnot und Niesanfälle. Pollen machen Allergikerinnen und Allergikern das Leben schwer. Die Pollenmessung, bisher in Handarbeit durchgeführt, soll in der Schweiz demnächst in Echtzeit geschehen. Viel teurer, aber auch schneller und effektiver, sagt die Wissenschaftsjournalistin Jenny Rieger.

Das Schweizer Startup Swisens hat ein Gerät namens Poleno entwickelt, das die Pollenbelastung in der Luft in Echtzeit messen kann. Die Luft, mit den darin enthaltenen Pollen, wird in diesem neuen Gerät mithilfe eines optischen Messsystems untersucht. Es erstellt holografische Bilder von den Partikeln, die hindurchfliegen. Diese Darstellungen enthalten dreidimensionale Informationen über die Kleinstpartikeln.

Pollenmessung per holografischer Bilder und Algorithmus

Die Pollen, die in unseren Breitengraden Allergien auslösen, unterscheiden sich in Form und Größe stark. Daher kann ein Algorithmus, der Teil des Messsystems ist und auf Künstlicher Intelligenz basiert, die verschiedenen Pollen unterscheiden. So gelingt es in Echtzeit festzustellen, welche Pollen gerade in der Luft unterwegs sind, erklärt die Wissenschaftsjournalistin Jenny Rieger.

Der große Vorteil: Kurzfristig die Medikation anpassen

Der große Vorteil ist, dass Allergiker und Allergikerinnen sich besser darauf einstellen können, sagt Gian Lieberherr von Meteo Schweiz. Menschen, die gegen Pollen allergisch sind, können ihre Medikation aufgrund dieser exakten Daten besser dosieren und den Zeitpunkt besser planen, wann sie die Medikamente einnehmen und auch die Menge.

"Wir haben dann wirklich die Tagesabläufe von Pollendaten, wissen genau, was im Moment gerade in der Luft ist, wenn auch die Symptome da sind."
Gian Lieberherr, Schweizer Wetterdienst Meteo Schweiz
Der Schweizer Wetterdienst Meteo Schweiz stellt sich bald auf das neue automatische System um. Im Moment befindet es sich noch in der Pilotphase, sechs Messstationen gibt es bereits. Die gesammelten Daten, kann man in Echtzeit auf der Webseite von Meteo Schweiz finden.

Echtzeit-Messung ab 2022

Zur nächsten Pollensaison 2022 sollen 18 Messstationen vor allem in dicht besiedelten Regionen aufgestellt werden, wo potenziell viele Menschen leben, die unter Pollen leiden. 1,4 Millionen Franken, umgerechnet etwa 1,26 Millionen Euro, werden die Messstationen kosten, sagt Gian Lieberherr. Auf lange Sicht, werde aber aber die Kosten sich dem alten System annähern. Erny Niederberger, einer der Gründer von Swisens, geht von einer einmaligen Investition von 50.000 Euro pro System aus, das dann eine Lebensdauer von zehn Jahren habe.

In die Pollenprognose fließen auch die Daten ein, wo welche Bäume stehen, wann sie voraussichtlich blühen und auch die Wetterdaten. Denn bei Regen werden Pollen aus der Luft gewaschen, bei Wind geben Bäume mehr Pollen ab. Wie hoch die Belastung durch Pollen tatsächlich ausfällt, wird mit Modellen berechnet.

Lösung für Europa

Meteo Schweiz koordiniert ein europäisches Programm zur automatischen Pollenmessung. Daher ist es gut möglich, dass die neuen Messgeräte auch bald in anderen Ländern, also auch in Deutschland aufgestellt werden.

Bisher alles in Handarbeit

Die Pollenmessung erfolgt bisher in Handarbeit, sagt Jenny Rieger. In der Schweiz gibt es 14 sogenannte volumetrische Pollenfallen. Diese Messgeräte entsprechen dem europäische Standard. Sie bestehen aus einem Zylinder mit einer Windfahne obendrauf.

Die bisher genutzten Geräte saugen über einen Schlitz kontinuierlich Luft an. Innen befindet sich eine Trommel mit Klebestreifen, die sich dreht. Die Partikel in der Luft bleiben auf diesem Streifen hängen. Einmal pro Woche wird die Trommel ausgetauscht und die Pollen auf dem Klebestreifen werden manuell ausgezählt. Die ermittelten Daten, die Allergikerinnen per App abrufen können, sind meist zwei Tage alt, manchmal sogar noch älter.