Spucke ist nicht nur fies: Mit Spucke von Mensch und Tier lässt sich auch allerhand Gutes anstellen. Bier brauen, die Medizin revolutionieren oder sogar Strom erzeugen.

Wenn die Oma mit dem frisch angespeichelten Taschentuch Richtung Enkel ausrückt, besser ducken: Denn fremder Speichel ist aufgrund der vielen fremden Bakterien selten gut. Es sei denn, es handelt sich um den Speichel der Gila-Krustenechse. Ein Eiweiß in ihrer Spucke wird zur Behandlung von Diabetes eingesetzt. Denn das Eiweiß im Speichel sorgt dafür, dass die Insulinausschüttung aktiviert wird. Etwa dann, wenn die Echse nach einer langen Hungerphase wieder frisst und ihr Blutzuckerspiegel hochschnellt.

Strom dank Spucke

Ein ganz anderes Einsatzgebiet für die Spucke haben Wissenschaftler aus den USA ausgemacht. Sie haben eine Mikro-Power-Batterie für Extremsituationen entwickelt. Diese besteht aus einem nickelbeschichten Papier mit gefriergetrockneten Bakterien. Diese mikrobiellen Brennstoffzellen lassen sich nur durch ein wenig Speichel aktivieren. Und der ist schließlich immer verfügbar.

Alpaka-Schampoo 

Bei den weiteren Einsatzgebieten von Speichel geht es auch um Geschmacksfragen: In Peru gibt es eine alte Tradition, Chicha-Bier aus Mais mithilfe von Spucke herzustellen. Dabei werden Maismehlfladen ordentlich gekaut. Durch die Enzyme im Speichel wird die Stärke im Mehl in Zucker umgewandelt. Ein wichtiger Faktor für den Gärungsprozess.

Aufgrund des hohen Proteingehalts schwören auch einige auf Alpaka-Shampoo. Auch bei den Alpakas gibt es eine besonderes Eiweiß. Geforscht wird aber nicht in Richtung Pflegeprodukte. Noch spannender sind Alpakas und Lamas für die Medizinforschung: In lebenden Zellen der Tiere - im Speichel, aber auch im Blut - finden sich besonders kleine Antikörper, sogenannte Nanobodies. Sie werden beispielsweise in der Forschung zu Krankheiten wie Parkinson eingesetzt.

Bitte nur Eigen-Speichel

Zurück zum Speichel der anderen: Zur Frage "Speichel auf die Wunde oder nicht?" gibt es immer noch zweierlei Meinungen, da sich schließlich auch Verunreinigungen durch Speisereste darin befinden. Bei der eigenen Spucke aber können wir uns auf die positiven Effekte konzentrieren, hier haben wir es schließlich mit bekannten Bakterien zu tun.  Hilfreich ist das Protein Histatin in der Spucke. Es ist eigentlich dazu da, den Zahnschmelz aufzubauen, wirkt aber auch antibakteriell und gegen Pilze. Daher heilen Wunden der Mundschleimhaut auch so schnell wegen der Histatine.

Keine Einwände gibt es übrigens bei der Spucke auf der Taucherbrille. Darauf schwören Taucher seit Ewigkeiten. Vor dem Tauchgang in die Taucherbrille spucken und den Speichel verreiben. So finden Wassertropfen keinen Halt und die Sicht bleibt frei.