1876 ist die Einführung einer einheitlichen Währung mehr als ein technischer Akt – mit der Reichsbank entsteht parallel eine nationale Institution. Sie soll zur nationalen Identität beitragen. Die Geschichte der D-Mark verläuft keineswegs geradlinig.
Das Kaiserreich ist kaum fünf Jahre alt, als zum Jahreswechsel 1876 die Deutsche Reichsbank ihre Arbeit aufnimmt. Ihre Bedeutung reicht aber weit über das reine Geldgeschäft hinaus. Denn sie ist eine nationale Institution, die nicht nur über die gemeinsame Währung der Deutschen wacht, sondern auch zur Bildung einer nationalen Identität beiträgt.
Ihre Aufgabe besteht unter anderem darin, die Sicherung der Golddeckung zu gewährleisten. Dies kann sie zwischen 1876 bis 1914 erfolgreich tun. Mit dem Ausbruch des I. Weltkriegs muss die Deutsche Reichsbank die Aufgabe dauerhaft aufgeben, was zur Hyperinflation von 1923 führt. Ein zweiter Versuch der Golddeckung in der Weimarer Republik scheitert an der Weltwirtschaftskrise.
Weitere Aufgaben der Deutschen Reichsbank sind:
- Ausgabe von Banknoten,
- Vereinheitlichung des Zahlungsverkehrs,
- Kreditversorgung der Wirtschaft.
"Die deutschen Teilstaaten vereinten sich erstmals in einem Deutschen Reich. Mit der Territorien-Vereinigung wurden gemeinsame Institutionen, Gesetze, Steuern notwendig. Dafür brauchte es eine Bank."
Ende Zweiter Weltkrieg: D-Mark löst Reichsmark ab
Die Deutsche Reichsbank steht unter der Kontrolle der Reichsregierung, ihr Präsident wird vom Kaiser höchstpersönlich berufen. Die Reichsbanker wachen vor allem auch über die Umlaufmenge des Geldes, die der jeweiligen ökonomischen Lage angepasst war. Die Mark war eine Goldwährung und Teil des Goldstandards. Die Bank ist allerdings nicht verpflichtet, jede Banknote jederzeit vollständig in Gold einzutauschen, sondern musste eine Mindestdeckung gewährleisten. Pro Münze ist ein Feingoldanteil von 0,358 Gramm vorgeschrieben.
Rechnet man den Goldgehalt mit heutigen Goldpreisen um, ergäbe sich zwar ein hoher Materialwert. Solche Vergleiche sagen aber wenig über die tatsächliche Kaufkraft der Mark im Kaiserreich aus. Bevor sich die Mark als einheitliches Zahlungsmittel durchsetzen kann, müssen zahlreiche frühere Landes- und Regionalwährungen abgelöst werden.
Diese Umstellung erfolgt zu festgelegten Umtauschverhältnissen und ist organisatorisch wie politisch aufwendig. Föderale Interessen der Einzelstaaten, bestehende private Notenbanken und unterschiedliche Münzsysteme tragen dazu bei, dass zwischen Reichsgründung und der Aufnahme des Reichsbankbetriebs mehrere Jahre vergehen.
Hyperinflation von 1923
In den folgenden Jahrzehnten verläuft die Geschichte der Mark keineswegs geradlinig. Zwar trägt die Goldmark zunächst zu wirtschaftlicher Stabilität und Wachstum im Kaiserreich bei. Dies endet mit Beginn des I. Weltkriegs. Der Krieg wird vor allem durch Kriegsanleihen und die Ausgabe ungedeckten Papiergeldes finanziert – eine Entwicklung, die in der Weimarer Republik zur massiven Inflation führt und schließlich auch einer der Gründe für die Hyperinflation von 1923 ist. Erst mit der Einführung der Rentenmark und später der Reichsmark wird das Währungssystem wieder stabilisiert.
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs endet auch die Geschichte der Reichsmark. In den westlichen Besatzungszonen wird sie am 21. Juni 1948 durch die Deutsche Mark (D-Mark) ersetzt. Die Währungsreform gilt als wirtschaftlicher Neuanfang: Gut gefüllte Geschäfte, steigender Konsum und das sogenannte "Wirtschaftswunder" prägen die folgenden Jahre. In dieser Zeit entsteht der Mythos der D-Mark als besonders stabile Währung – ein Symbol für wirtschaftlichen Erfolg und internationale Anerkennung, auch wenn sie keine globale Leit- oder Reservewährung im engeren Sinne ist.
Ihr hört außerdem in Eine Stunde History:
- Der Wirtschaftshistoriker Dieter Ziegler beschreibt die zentralen Aufgaben der neu gegründeten Reichsbank.
- Der Historiker Christopher Kopper spricht über Hjalmar Schacht, der in mehreren Amtszeiten Präsident der Reichsbank war und später als Wirtschaftsminister eine zentrale Rolle bei der Finanzierung der Aufrüstung spielte.
- Der Journalist Frank Stocker beschäftigt sich mit dem Mythos der D-Mark.
- Der Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Dr. Matthias von Hellfeld blickt auf die Reichsgründung und die Etablierung der Reichsbank fünf Jahre später.
- Deutschlandfunk Nova-Reporter Armin Himmelrath hat Einbrecher "begleitet", die in den Reichsbank-Tresoren aber kaum Bargeld, sondern vor allem Schuldverschreibungen, Aktien oder Anteilscheine vorfanden.
- Dieter Ziegler über die zentralen Aufgaben der neu gegründeten Reichsbank
- Christopher Kopper über Hjalmar Schacht, der in mehreren Amtszeiten Präsident der Reichsbank war und später Wirtschaftsminister
- Frank Stocker über den Mythos der D-Mark
