Er arbeitet viel mit Stoff und Leder und bekommt dafür nur wenig Geld. Bald wird Niko ausgebildeter Fahrzeugsattler sein.

Mit kleinen Ledergeschenken für Freunde hat es angefangen. Jetzt macht Niko – mit 36 Jahren – eine Ausbildung zum Fahrzeugsattler. Er verdient rund 900 Euro brutto im Monat und wohnt wieder bei seinen Eltern. Rund 40 Kilometer fährt er täglich zu seinem Lehrbetrieb – mit dem Elektrofahrrad. Denn für ein Auto reicht sein Einkommen nicht.

"Mittlerweile ist Niko im dritten Lehrjahr und repariert und verschönert Autos, Transporter und Wohnmobile von innen."
Alexander Werth, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Er muss außerdem Studienkredite zurückbezahlen. In der Berufsschule ist er mit Abstand der Älteste. Es ist Nikos zweite Ausbildung. Zuerst hat er Kaufmann gelernt und abgeschlossen. Dann hat er acht Jahre studiert. Er wollte eigentlich Berufsschullehrer werden, hat sich dann aber dagegen entschieden.

Ledergeschenke für die Freunde

Das Arbeiten mit Leder hat er über seinen damaligen Mitbewohner und Freund kennengelernt. Der hatte sich ein Werkzeugset angeschafft mit Nadeln, Hobel und Handnähgerät. Gemeinsam haben die beiden Lederwaren angefertigt und im Freundeskreis verschenkt: kleine Taschen zum Beispiel, Kofferanhänger, einen Bezug für eine Powerbank oder auch Portemonnaies.

"Wenn ich Luxusprodukte brauche, irgendwie einen Ledergürtel oder so, dann mache ich mir die selbst."
Niko, macht eine Ausbildung zum Fahrzeugsattler

Weil ihm das Handwerken so viel Spaß macht, bricht Niko sein Studium ab und macht Leder zu seinem Beruf. Als angehender Fahrzeugsattler kümmert er sich um die Stoff- und eben Lederausstattung im Innenraum von Autos.

"Bezüge nähen für die Sitze, für die Rückbänke – wir beziehen auch Dachhimmel oder die Türverkleidung, Armaturenbretter. Alles, was im Innenraum eines Autos mit Stoff ausgekleidet ist oder bezogen ist, das machen wir."
Niko, macht eine Ausbildung zum Fahrzeugsattler

Ab und zu fährt Niko zusätzlich Pizza aus, um sich nebenbei etwas dazuzuverdienen. Die Kosten fürs Einkaufen und den Strom teilt sich Niko mit seinen Eltern. Wenn er im Herbst 2023 mit der Lehre fertig ist, will er sich wieder eine eigene Wohnung suchen.

Viel Arbeit, wenig Langeweile

Bei der Fahrzeug-Sattlerei hat er die Aussicht, übernommen zu werden. Dann wird er wahrscheinlich um die 2.000 Euro brutto im Monat verdienen. Mit seinem Azubi-Lohn ist Niko eigentlich jetzt schon zufrieden. Unbezahlbar ist für ihn, dass die Arbeitszeit wie im Flug vergeht.

"Das, was du nicht mit Geld aufwiegen kannst, ist zum Beispiel: Die Arbeitszeit geht extrem schnell vorbei. Im Handwerk vergeht die Zeit einfach ganz, ganz anders."
Niko, macht eine Ausbildung zum Fahrzeugsattler

Dieser Beitrag ist Teil der Denkfabrik "Von der Hand in den Mund – Wenn Arbeit kaum zum Leben reicht".

Dieses Jahr beschäftigen wir uns mit Menschen, die arbeiten gehen, deren Verdienst aber nicht reicht, um zu sparen. Diese Jobs haben sie sich in vielen Fällen ausgesucht, weil sie die Arbeit, die sie tun, wirklich lieben. Solche Menschen, ihre Berufe, Perspektiven und Überlegungen stellen wir in dieser Reihe vor. #lovemyjob wird in loser Reihe fortgeführt.

  • Moderation:  Krissy Mockenhaupt
  • Autor:  Alexander Werth, Deutschlandfunk-Nova-Reporter