In der Redaktionskonferenz hatten wir über Rassismus gesprochen und nach eurer Meinung gefragt. Im Social Web ging es dann gleich ziemlich ab. Und Userin Sossy war plötzlich mittendrin in der Diskussion.

Anlass für das Thema war die eher mittelmäßige Note, die Deutschland von den Vereinten Nationen für die Einhaltung der Anti-Rassismus-Konventionen bekommen hatte. Unsere Ausgangsfrage "Was kann man machen, wenn man im Alltag Rassismus erlebt?“ war schnell vergessen. Was dann passierte, kommt einigen vielleicht bekannt vor: Viele nutzten das Thema, um dezidiert ihre politischen Ansichten, zum Beispiel über Flüchtlinge in Deutschland, zu verbreiten.

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Eingeschaltet in die Diskussion hatte sich auch Sossy. Ihr Tipp: es mit Humor und nicht zu ernst nehmen. "Vor allem nicht drüber aufregen, das macht nur Falten". Die Reaktionen darauf waren heftig. Schockiert war sie vor allem über die vielen Interpretationen, die in ihren Kommentar hinein gelesen und in das entsprechende Vokabular gepackt wurden. "Deutschhasserin“ oder "Nur Gast in Deutschland“, sind nur zwei der gefallenen Begriffe.

"Ich weiß, das bin nicht ich, was die dort beschrieben haben.“
Sossy

Betroffen gemacht haben sie die Anfeindungen, weil diese nichts mit ihrer Lebensrealität zu tun haben, stellt Sossy klar. "Mir passiert das überhaupt nicht im Alltag." Ob internationale Freunde, deutsche, türkische - ihr türkischer Background spielt hier keine übermäßige Rolle. "Ich hab mir aus beiden Kulturen eigentlich immer das schönste rausgepickt. Und somit lebt es sich ja am allerschönsten."

"Früher habe ich wie wild diskutiert."
Sossy

Das war nicht immer so. Als Kind hat Sossy oft erlebt, die einzige, "die Ausländerin" zu sein. Wer hat die Schokolade geklaut. Klar, die Türkin war's. Solche Sprüche sitzen. Heute würde sie nicht mehr auf jeden rassistischen Spruch oder jedes rassistische Pseudo-Argument einsteigen. Abgestumpft ist Sossy deshalb nicht - sie hat die Taktik geändert: nicht darauf eingehen, seinen Humor behalten (und damit oft die anderen ihren Ärger). Eigentlich ist es fast ein wenig traurig, sagt sie, dass es Menschen gibt, die auf andere losgehen müssen, um sich selbst besser zu fühlen.