Die einen bleiben im Alter aktiv, andere ziehen sich zurück. Und manche werden grantiger. Dahinter können allerdings auch ernste psychische Probleme stecken. Aber ihr könnt helfen: Bei diesen Anzeichen sollten Angehörige und Freunde hellhörig werden.
Gibt es Einflüsse im Leben, die unsere Persönlichkeit verändern? Dieser Frage ist Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Eyline Mutlu nachgegangen: "Unsere Persönlichkeit kann man sich ein bisschen wie eine Straße mit mehreren Spuren vorstellen. Im Laufe des Lebens können wir mal etwas weiter nach links oder rechts ziehen. Aber von der rechten Spur komplett auf die linke wechseln? Das passiert eher selten", erklärt sie.
Verändert sich unsere Persönlichkeit?
Auf welcher Spur wir fahren, können wir nur bedingt beeinflussen. "Die Persönlichkeit ist etwas, das ein Stück weit genetisch bedingt ist, aber auch ein Stück weit mit der Erziehung zu tun hat", sagt Forugh Dafsari, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie der Uniklinik Köln.
"Man kann sicherlich nicht sagen, dass es im hohen Alter klassische oder typische Veränderungen der Persönlichkeit gibt."
Unsere Persönlichkeit ist demnach grundsätzlich relativ stabil. Sie wird durch unsere Veranlagung, unsere Erziehung und die Erfahrungen geprägt, die wir im Laufe unseres Lebens sammeln.
Im Alter nur noch am Nörgeln?
Wie kommt es dann, dass ältere Menschen immer wieder den Stempel des Grantlers oder Nörglers aufgedrückt bekommen – obwohl sie ihr Leben lang eigentlich gut gelaunt und zufrieden waren?
Forough Dafsari weiß aus ihrer Arbeit in der Psychiatrie, dass das mit den großen Veränderungen im Alter zusammenhängen kann: "Vielleicht wird der eigene Körper unbeweglicher oder man verliert nahestehende Menschen."
"Der letzte Arbeitstag zum Beispiel: Plötzlich klingelt morgens kein Wecker mehr. Kolleginnen und Kollegen, die man vorher fast täglich gesehen hat, fallen als Kontakte weg."
Anzeichen einer Altersdrepssion
Solche Einschnitte können die Psyche stark belasten und zu einer Depression führen. "Häufig kündigt sich die Erkrankung durch soziale Isolation und Schlafstörungen an. Das sind oft erste Symptome. Da sollte man hellhörig werden, wenn so etwas auftritt."
Auch im hohen Alter sei es kein normaler Alterungsprozess, nachts nicht mehr schlafen zu können, erklärt sie. Spätestens wenn sich die Stimmung oder der Antrieb verändern, sollte der Zustand ärztlich abgeklärt werden."Eine Altersdepression zeigt sich oft ganz anders, als viele Menschen sich eine Depression vorstellen: Nicht jeder ist ständig traurig oder weint."
Bei älteren Menschen, die unter einer Altersdepression leiden, können auch körperliche Beschwerden im Vordergrund stehen – etwa Schwindelgefühl, Schmerzen oder Appetitlosigkeit. Deshalb gehen Betroffene häufig zuerst zum Hausarzt und nicht zum Psychologen.
Umso wichtiger ist es, dass auch Angehörige solche Veränderungen ernst nehmen und nachfragen. Denn eine Depression lässt sich auch im hohen Alter gut behandeln. Je früher sie erkannt wird, desto besser kann den Betroffenen geholfen werden.
Du suchst Infos oder Hilfe?
Wenn es dir psychisch gerade nicht gut geht, wenn du dich informieren möchtest oder Hilfe suchst – für dich selbst, für Freund*innen oder Familie: Hier haben wir einige Angebote für dich zusammengestellt.
